Die Frankfurter Fondsgesellschaft Universal-Investment hat sich ehrgeizige Wachstumsziele gesteckt. "Unser klares Ziel ist es, die führende europäische Fonds-Service-Plattform für alle Asset-Klassen zu werden", sagte Universal-Investment-Chef Bernd Vorbeck im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Das bedeutet, dass wir in fünf Jahren 500 Milliarden Euro verwalten möchten."

Derzeit betreut das Haus 355 Milliarden Euro, vor allem in Spezialfonds, aber auch in Publikumsfonds (siehe Grafiken in der Bilderstrecke oben). "Diese Größenordnung macht uns zu einem visiblen Marktteilnehmer, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Diese Position möchten wir weiter ausbauen", sagt Vorbeck. Bekannt ist Universal-Investment insbesondere als Master- und Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft, die Fonds für institutionelle Investoren und unabhängige Vermögensverwalter auflegt. Das Haus managt aber auch eigene Portfolios.

Rund 20 Prozent Wachstum in allen Geschäftsbereichen
Vor fast genau einem Jahr übernahm die britische Beteiligungsgesellschaft Montagu Universal-Investment (FONDS professionell ONLINE berichtete). Zuvor hatte der Fondsanbieter den Bankhäusern Lampe und Berenberg gehört.

Trotz des Eigentümerwechsels laufe das Geschäft hervorragend, betont Vorbeck. "Im letzten Geschäftsjahr bis 30. September 2017 sind wir in allen Geschäftsbereiche gewachsen, durchschnittlich um rund 20 Prozent. Und auch das vierte Quartal war sehr erfolgreich." Das betreute Vermögen stieg im Kalenderjahr 2017 um rund 66 Milliarden Euro, etwa zwei Drittel davon entfallen auf Mittelzuflüsse.

"Die Zeit ist reif für eine Konsolidierung"
Auf die Frage, was sich durch die Übernahme verändert habe, antwortet Vorbeck: "Der größte Unterschied ist, dass wir nun einen professionellen Investor haben. Der hat uns ja nicht einfach so gekauft, sondern weil wir der Marktführer in unserem Segment sind und eine erstklassige Wachstumsstory bieten." Montagu sehe Universal-Investment als "Nukleus einer Konsolidierungsplattform, sowohl im nationalen als auch im europäischen Kontext".

Kern der Strategie bleibe es, organisch zu wachsen – so wie immer schon seit der Gründung vor fast 50 Jahren. Doch nun soll das Wachstumstempo weiter erhöht werden, berichtet Vorbeck, der seit 1999 in der Geschäftsführung des Unternehmens tätig ist. "Dafür müssen wir nicht zwangsläufig Mitbewerber übernehmen, haben aber die Mittel, das zu tun."

Vorbeck ist davon überzeugt, dass die Zeit der kleinen Plattformen vorbei ist. Ein wichtiger Grund dafür sei der gestiegene Regulierungsdruck, der sich im Wesentlichen als Kostendruck äußere. "Allein aus harten kommerziellen Erwägungen heraus ist die Zeit reif für eine Konsolidierung. Dafür stehen wir bereit", so Vorbeck. Übernahmen seien aber auch aus einem zweiten Grund für Universal-Investment denkbar, "nämlich wenn sie dabei helfen, unsere Wachstumsstrategie abzurunden, ich denke beispielsweise an zusätzliche Produkte, Spezialthemen oder einen Markteintritt im Ausland."

"Wir müssen den Talent-Pool vergrößern"
Vorbeck möchte das Geschäft mit Kunden aus dem Ausland deutlich ausbauen. Im Blick hat er unter anderem britische Asset Manager, die vor der Frage stehen, wie sie ihre Produkte und Dienstleistungen nach dem Brexit in der EU anbieten können. Auch Vertriebsbüros in anderen europäischen Ländern seien möglich, beispielsweise in der Schweiz oder Skandinavien. "Entschieden ist in diesem Punkt aber noch nichts", so Vorbeck.

Auch abseits des Themas Internationalisierung und Vertrieb denkt Vorbeck über einen weiteren Standort nach. "Es wird in Frankfurt zunehmend schwieriger, gute Leute zu finden. In vielen Segmenten ist der Markt wie leergefegt." Daher habe der Brexit für Universal-Investment zwei Facetten: "Man kann zusätzliches Geschäft machen, aber der Arbeitsmarkt am Standort Frankfurt wird noch enger."

Der Wettbewerb um Experten für Risikomanagement, im Alternatives-Bereich oder spezialisierte Juristen werde noch härter. "Wir glauben, dass wir den Talent-Pool vergrößern müssen, wenn wir weiter wachsen und die Kosten dennoch unter Kontrolle halten wollen." Es gehe dabei um ein sogenanntes "Near-Shoring", also einen Produktionsstandort in Deutschland oder einem der angrenzenden Länder.

"Sehr positive Rückmeldungen"
Die Kunden hätten gut auf Montagu als neuen Eigner reagiert. "Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen. Die Kunden glauben daran, dass uns unser neuer Eigentümer weiter voranbringen wird, und vertrauen uns weiteres Geld an." Nach der Übernahme im vergangenen Jahr habe Universal-Investment beispielsweise das größte institutionelle Mandat gewonnen, das jemals in Deutschland vergeben worden sei. "Und wir konnten weitere internationale Asset Manager und Vermögensverwalter für unsere Fondsplattform gewinnen", betont Vorbeck.

Die Kunden müssen allerdings mit der Unsicherheit leben, dass sie nicht wissen, wer in einigen Jahren der Eigentümer ihrer Service-KVG sein wird – schließlich möchte ein Private-Equity-Investor seine Beteiligungen nicht ewig halten, sondern nach fünf oder zehn Jahren verkaufen. Vorbeck räumt ein, dass er auf diesen Punkt tatsächlich häufiger angesprochen werde. Allerdings gebe es wohl keinen Marktteilnehmer, bei dem sich mit Sicherheit sagen ließe, dass er in mehr als fünf Jahren noch den gleichen Eigentümer hat. "Diese Zeiten sind passé", so Vorbeck.

"Diese Wachstumsstory lebt von der Unabhängigkeit"
"Wichtig ist, dass wir einen Investor haben, der wirklich hinter dem Geschäftsmodell steht, der das Unternehmen weiterentwickeln und seinen Wert erhöhen möchte", so Vorbeck. "Er hat uns gekauft wegen der Wachstumsstory, und diese Wachstumsstory lebt von der Unabhängigkeit. Das haben unsere Kunden verstanden."

Den Kunden sei wichtig, einen Partner an ihrer Seite zu haben, bei dem sie wissen, dass er die beiden großen Themen der näheren Zukunft stemmen kann: Regulierung und Digitalisierung. "Wir nehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nur für die Digitalisierung, nicht für IT-Upgrades, die ohnehin anstehen. Ich wage zu behaupten, dass nicht alle Anbieter im Markt willens und in der Lage sind, diese Herausforderungen in den kommenden Jahren wirklich zu meistern." (bm)