Die Austrian Anadi Bank AG (Anadi Bank) soll zur Gänze an die Bankengruppe der Grazer Wechselseitige Versicherung AG (Grawe Bankengruppe) übergehen. Eine Vereinbarung wurde am 6. Jänner abgeschlossen, wie die Grawe mitteilt.

Im September 2024 hat die Anadi Bank mit Sitz in Klagenfurt bereits das Filialgeschäft und einen großen Teil des KMU-Segments in Kärnten an die zur Grawe gehörende Bank Burgenland abgegeben. Anadi war danach noch in den Bereichen Public Finance, Digital Finance und Corporate Banking aktiv, rang aber mit den Folgen der Abspaltung sowie der schlechten Konjunktur. Die NPL-Quote (Non Performing Loans, Ausfallsquote) stieg 2024 auf 18,8 Prozent – während hierzulande eher vier, fünf Prozent üblich sind. Dutzende Mitarbeiter wurden abgebaut, und der Paraman Trust (Gibraltar) aus dem Umfeld des britisch-indischen Anadi-Eigentümers Sanjeev Kanoria sah sich 2025 veranlasst, eine Patronatserklärung für die Kapitalquoten und die Liquidität abzugeben.

Turbulente Geschichte
Anadi hatte im vergangenen Jahrzehnt eine wechselhafte Geschichte. Dazu zählte der mehrfache Austausch der Vorstandsvorsitzenden. Zuletzt entzog der Aufsichtsrat vergangenen Oktober Sonja Heinzl (davor Sarközi) nach nicht einmal einem Jahr an der Spitze das Vertrauen; es gab massive Differenzen unter anderem über Fragen des Führungsstils.

Bei der Anadi Bank handelt es sich um die Österreich-Tochter des Kärntner Hypo-Alpe-Adria-Konzerns, der 2009 aufgrund einer Mischung aus Finanzkrise und Korruptionsaffären in Schieflage geriet, vom Staat aufgefangen werden musste und später abgewickelt wurde. Im Rahmen der Zerschlagung wurde die Hypo Bank Österreich (HBA), die zu Hypo-Zeiten als profitabel galt, an die Anadi Financial Holding PTE Ltd. (Singapur) des Investors Sanjeev Kanoria verkauft.

Chancen in neuem Umfeld
Für Christian Jauk, Vorstandschef der Grawe Bankengruppe, ergibt die Komplettübernahme der Anadi mehrfach Sinn. Im Onlinebanking gibt es Verschränkungsmöglichkeiten mit der zum Konzern gehörenden Depot-Marke Dadat. Im Digital Banking würde die Grawe durch den Deal rund 25.000 Retail-Kunden im Kredit-, Giro- und Einlagenbereich dazugewinnen. 

Zudem verfestigt der Schritt die regionale Präsenz in Kärnten. Auch der Sektor öffentliche Hand spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Hypo Alpe Adria war die Hausbank Kärntens, aus dieser Zeit hat Anadi das Geschäft mit dem Land und den Kommunen geerbt. Der Bereich Public Finance bei der Anadi umfasst laut Grawe-Angaben ein Kreditvolumen von rund 450 Millionen Euro mit öffentlichen Rechtsträgern, darunter mehr als 500 Gemeinden, sowie die Abwicklung der Wohnbauförderung in Kärnten (rund 14.100 Konten). Das Anadi-Kreditvolumen im Corporate Banking wird mit rund 350 Millionen Euro angegeben.

Zur Bankengruppe des Grawe-Konzerns zählen bis jetzt die Hypo-Bank Burgenland AG (Bank Burgenland) als Spitzeninstitut sowie die Privatbank Schelhammer Capital mit den Depot-Marken Dadat Bank und "die Plattform" sowie der Kapitalanlagegesellschaft Security KAG. Im klassischen Filialgeschäft hat die Grawe Bankengruppe rund 110.000 Kunden in 22 Filialen (Burgenland, Kärnten, Wien und Graz).

Vorbehaltlich der Zustimmung der Behörden wird ein Closing der Anadi-Transaktion im Februar 2026 angestrebt. (eml)