Weiterer Paukenschlag in der Causa Tim Haywood: GAM hat zum 31. Juli 2018 alle Zeichnungen und Rücknahmen von Anteilsscheinen an Fonds gestoppt, die eine Absolute-Return-Bond-Strategie mit uneingeschränktem Anlageansatz (ARBF) verfolgen. Der Schweizer Asset Manager begründet diesen ungewöhnlichen Schritt damit, dass Anleger Fondsanteile mit einem hohen Volumen zurückgegeben haben. Ausgelöst wurden die Rückgaben durch die vor zwei Tagen veröffentlichte Meldung, dass GAM den für die Fonds hauptverantwortlichen Manager Haywood von GAM suspendiert hatte (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Der Vermögensverwalter sah sich nach eigenen Angaben zu der Suspendierung Haywoods gezwungen, weil er Unregelmäßigkeiten bei "Teilen von dessen Risikomanagementverfahren sowie seiner Dokumentationspflichten" gefunden hatte. Im selben Atemzug betonte GAM aber, es gebe "keine Bedenken bezüglich der Ehrlichkeit Haywoods". Außerdem habe die Gesellschaft keine Nachteile für Kunden feststellen können.

Rückgaben gefährden verbleibende Investoren
Ferner seien auch keine anderen Bereiche betroffen. Andere Investment-Teams bei GAM sowie Drittmanager, mit denen die Gruppe zusammenarbeitet, verwalten Kundengelder wie bisher. Die internen Untersuchungen, über die auch die Behörden informiert werden sollten, laufen weiter.

Die Zürcher Gesellschaft begründet das Einfrieren der Portfolios, deren Volumen per 31. Juli 7,3 Milliarden Schweizer Franken (6,3 Milliarden Euro) betrug, ferner mit dem Schutz der verbliebenen Anleger. "Obwohl die Fonds über die notwendige Liquidität verfügen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden, würden solche Maßnahmen zu einer unverhältnismäßigen Verschiebung ihrer Portfoliozusammensetzung führen, was sich nachteilig für die Interessen der verbleibenden Investoren auswirken könnte", schreibt GAM.  

Um welche Fonds es sich genau handelt, gab GAM nicht bekannt. Zumindestet die sechs bislang von Haywood selbst gemanagten Portfolios dürften betrofffen sein: GAM Multibond - Absolute Return Bond Defender, GAM Multibond - Absolute Return Bond Plus, GAM Multibond - Absolute Return Bond, GAM Star Absolute Return Bond Defender, GAM Star Absolute Return Bond und GAM Star Dynamic Global Bond.

GAM-Aktie stürzt ab
Daher schließt der Asset Manager weitergehende Schritte nicht aus, inklusive einer Liquidierung der Portfolios. Immerhin: Während auch mit Anlegern nach eine Lösung gesucht wird, will GAM auf Verwaltungsgebühren für die Fonds verzichten.

Die Angelegenheit verursacht natürlich auch einen Imageschaden für GAM. An der Börse sorgten die jüngsten Nachrichten jedenfalls für große Verunsicherung: Die Aktie des Vermögensverwalters setzte ihren Sturzflug der vergangenen Tage fort. Am Donnerstagmorgen notierte die Aktie an der Schweizer Börse satte elf Prozent unter dem Vortagesschluss. Seit dem jüngsten Hoch Mitte Januar hat der Titel inzwischen gut die Hälfte seines Wertes verloren.

"Absolutes Vertrauen in die Stärke von GAM"
"Der Verwaltungsrat ist sich bewusst, dass die jüngsten Ereignisse einen Rückschlag für das Unternehmen darstellen", teilte GAM-Verwaltungsratspräsident Hugh Scott-Barrett mit. "Wir haben jedoch absolutes Vertrauen in die Stärke von GAM als diversifizierten Vermögensverwalter und die Fähigkeit seiner Investment-Teams, Mehrwert für Kunden zu schaffen. Wir haben eine klare Strategie und die Geschäftsleitung wird diese weiter umsetzen. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung werden alle Möglichkeiten ausloten, um den Shareholder Value zu optimieren, indem wir auf den vielen bereits erzielten Erfolgen aufbauen." (jb/bm)