Bei der Credit Suisse wird es dieser Tage keinesfalls langweilig – die Bank hat alle Hände voll zu tun, Schäden aus zwei Skandalen zu begrenzen. Zum einen wäre da das Debakel rund um das Family-Office Archegos, dessen Hedgefonds-Manager Bill Hwang massiv auf Pump und mehrfach gehebelt auf chinesische Tech-Aktien spekuliert hatte. Die Wetten gingen schief und bescherten der Schweizer Großbank Credit Suisse, die Hwang Milliardenkredite für seine Zockerei gewährte, im ersten Quartal 2020 Verluste von umgerechnet vier Milliarden Euro, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Um die Verluste auszugleichen, will die Bank laut einem Bericht der "Financial Times" jetzt die Boni ihrer Mitarbeiter um hunderte Millionen Dollar kürzen. Die Bank selbst wollte sich dazu bislang nicht äußern.

Das Archegos-Fiasko ist nicht die einzige Baustelle der Bank. Auch die Pleite von Greensill Capital lastet auf dem Unternehmen. Insgesamt hatte die Credit Swiss mit der Greensill Bank vier gemeinsame Fonds betrieben, in die Kunden insgesamt zehn Milliarden US-Dollar investiert hatten. Insgesamt konnte die Credit Suisse Anlegern bislang 4,8 Milliarden US-Dollar, also knapp die Hälfte des investierten Volumens, zurückzahlen. Die Bank schreibt, dass sie "bei Bedarf geeignete rechtliche Schritte" in Betracht zieht, um die Interessen der Fondsanleger zu wahren. Bei all den Skandalen ist es kein Wunder, dass nach dem Vorstand der Credit Suisse eventuell auch Mitarbeiter auf niedrigeren Rängen auf ihre Bonuszahlungen verzichten müssen. Der Vorstand verzichtet auf Boni in Höhe von knapp 41 Millionen Franken. 

Archegos-Skandal frisst Boni
Insgesamt wurde der Bonus-Pool der Bankengruppe im vergangenen Jahr mit fast drei Milliarden Franken gefüllt, berichtet die FAZ. Und auch in diesem Jahr haben die Credit-Suisse Banker bereits fleißig Boni erwirtschaftet: Die Analysten der US-Bank JP Morgan schätzen, dass ein starkes Investmentbanking der Credit Suisse im ersten Quartal 2021 einen Vorsteuergewinn von rund 3,5 Milliarden Dollar beschert hätten – wenn dieser nicht durch den Kollaps von Archegos Capital mehr als aufgezehrt worden wäre, berichtet das "Handelsblatt". (fp)