"Wenn man sich den aktuellen Markt da draußen anschaut, ist das kein Zeitpunkt um über Börsengänge zu reden", sagte Jan Kemper, Finanzchef der Neobank N26, laut "Bloomberg" am Dienstag (11.10.) in einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des vergangenen Geschäftsjahres. Vertreter von N26 hatten noch im März angekündigt, man wolle bis Jahresende "strukturell IPO-bereit" sein, ein Börsengang könnte 2024 erfolgen.

Die Bruttoerträge der Bank stiegen 2021 um die Hälfte auf 182,4 Millionen Euro, wie die N26 in ihrer ersten Präsentation von Finanzergebnissen bekanntgab. Allerdings stiegen die Marketingkosten fast ebenso schnell auf 168 Millionen Euro. Unterm Strich weitete sich der Verlust um 14 Prozent auf 172 Millionen Euro aus.

Gebremstes Wachstum
"Wir gehen 2022 davon aus, dass wir die Umsätze trotz eingeschränktem Kundenwachstum noch mal um circa 30 Prozent steigern", wird Mitgründer und Co-Chef Valentin Stalf im "Handelsblatt" zitiert. Auf Anordnung der Bafin, die im November 2021 einen Sonderbeauftragten in die Bank entsandte, darf N26 pro Monat maximal 50.000 Neukunden aufnehmen. Die Finanzaufsicht war der Meinung, dass Prozesse und Kontrollen bei der Smartphonebank nicht mit dem schnellen Wachstum Schritt gehalten hatten. Finanzchef Kemper deutete laut "Handelsblatt" an, dass die Bank wohl auch 2022 Verluste schreiben wird, die jedoch geringer ausfallen dürften als 2021.

N26 plant den Einstieg ins Kryptogeschäft. Nach Aussage von Stalf ist ein entsprechendes Produkt "von der programmierten Seite fertig", die Bank brauche aber noch grünes Licht von verschiedenen Regulatoren in Europa. Zudem will die Neobank den Handel mit Aktien anbieten. Ziel sei, in den nächsten zwei Jahren "auch dort ein starkes Standbein aufzubauen", sagte Stalf dem "Handelsblatt" zufolge. Nach der Zinswende hat N26 demnach auch das Einlagengeschäft im Blick: Die Bank werde den Kunden künftig wahrscheinlich "in dem ein oder anderen Produkt" positive Zinsen zahlen, kündigte Stalf an. (ohm/Bloomberg)