Das Oberlandesgericht (OLG) Wien hat einer Klage gegen das Österreichische Münzkontor in allen Punkten Recht gegeben, berichtet der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Dieser hatte das Unternehmen im Auftrag des Sozialministeriums wegen ungesetzlicher Geschäftspraktiken geklagt. Hauptgegenstand des Verfahrens waren die Vertriebsmethode und die Bewerbung der Münzen und Medaillen als Anlageprodukt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Vertriebsmethode
Das Geschäftsmodell stellt darauf ab, durch eine einzelne Bestellung einen Mechanismus ("Sammler-Service") auszulösen, bei dem der Kunde laufend weitere Münzen und Medaillen zugesendet bekommt. Diese muss er entweder zahlen und behalten oder innerhalb einer Frist zurückschicken, so der VKI in einer Aussendung. Die genauen Bedingungen ergeben sich erst aus dem Kleinstgedruckten.

Schon die erste Instanz, das Handelsgericht Wien, hatte laut VKI unter anderem ein "untergeschobenes Einverständnis" gesehen. Außerdem stellten die Gerichte fest, dass die Medaillen und Münzen aufgrund der hohen Kaufpreise nicht zur Geldanlage geeignet sind und dass die Werbung irreführend ist: Einem 20.000-Euro-Investment stand ein Materialwert von nur gut 600 Euro gegenüber.

Staatanwaltschaft eingeschaltet
Der VKI teilt nun mit, dass er auch eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug eingebracht hat. Der VKI argumentiert dies damit, dass Kunden "systematisch über den Wert der angebotenen Produkte, deren Eignung als Sammlerstücke und ihre Limitierung in die Irre geführt würden". Es gilt die Unschuldsvermutung.

Im Zuge dessen habe sich herausgestellt, dass auch in der Schweiz und in Deutschland Anzeigen gegen das Münzkontor eingebracht wurden. In diesen Ländern seien Ermittlungen gegen die HMK V AG eingeleitet worden. Es habe eine Hausdurchsuchung stattgefunden.

Es habe viele Beschwerden gegeben, heißt es beim VKI. Vor allem ältere Personen hätten teilweise viel Geld in diese vermeintlichen Anlageobjekte gesteckt. (eml)