Auf Nachfrage von FONDS professionell hat eine Sprecherin von Morgan Stanley Berichte in verschiedenen US-Medien bestätigt, wonach die Investment-Management-Sparte des Finanzriesen mit dem Aufbau einer eigenen Plattform für börsengehandelte Indexfonds begonnen hat. Erste ETFs sollen demnach noch im Laufe dieses Jahres angeboten werden.

"Eine erstklassige ETF-Plattform wird uns in die Lage versetzen, unsere Investmentfähigkeiten mit den vielfältigen Anlageinstrumenten zu verbinden, die unsere Kunden zunehmend nachfragen", hat dazu Daniel Simkowitz, Co-Leiter der Unternehmensstrategie von Morgan Stanley, in einem internen Memo erklärt und auf die jüngsten Einstellungen verschiedener Experten hingewiesen, die unter anderem von Goldman Sachs und Blackrock zu dem Unternehmen gestoßen sind.

Führungs-Duo mit reichlich Erfahrung im ETF-Geschäft
Zu den Neulingen gehört unter anderem Anthony Rochte, der im Rang eines Global Head of ETFs, zu den beiden Führungspersönlichkeiten der neuen Sparte gehören wird. Er kommt von Goldman Sachs und bringt mehr als 18 Jahre Erfahrung im ETF-Geschäft mit, während denen er unter anderem an der Einführung der ETF-Plattform von Fidelity Investments beteiligt gewesen ist. Allyson Wallace, als Global Head of ETFs Capital Markets die zweite im Führungs-Duo, ist von BlackRock zu Morgan Stanley gestoßen. Sie wird ihr Spezialwissen im Bereich festverzinslicher ETF-Lösungen und Multi-Asset-ETFs einbringen.

Die US-Großbank Morgan Stanley, die nach der Übernahme von Eaton Vance im vergangenen Jahr ein Kundenvermögen von 1,5 Billionen US-Dollar verwaltet, ist eine der wenigen großen Vermögensverwalter, die noch nicht in den nach wie vor schnell wachsenden ETF-Markt eingestiegen sind. Ganz im Gegensatz zu anderen großen Gesellschaften wie etwa American Century, Capital Group, Federated Hermes, Dimensional Fund Advisors oder T. Rowe Price. Zu spät dürfte es für Morgan Stanley dennoch noch nicht sein, denn gerade der noch stark wachsende Markt aktiv verwalteter ETFs bietet mit Sicherheit noch Chancen.

Keine Angst vor Kannibalisierung der aktiven Sparte
Bedenken, der ETF-Einstieg könne das eigene Geschäft mit aktiv verwalteten Investmentfonds kannibalisieren, haben die US-Strategen keine. Auf Nachfrage des US-Magazins "Investment News", das als erstes über die ETF-Pläne der Amerikaner berichtet hatte, entgegnete Jacques Chappuis, weltweiter Vertriebsleiter bei Morgan Stanley, das sei "keine Sorge", die man habe. "Wir gehen davon aus, dass es einige Kunden gibt, die das ETF-Produkt bevorzugen würden", wird Chappuis zitiert. Wenn das der Fall sei, zeige es, dass man den Kunden besser diene, indem man ihnen ein Vehikel anbiete, das sie bevorzugen. Chappuis: "Und das ist genau das, was wir zu tun versuchen." (hh)