Die Analysten der Ratingagentur Moody's stufen die Aussichten für den gesamten deutschen Bankensektor zurück. Die Ertragslage sowie die Bonität der Branche würden über die kommenden zwölf bis 18 Monate abnehmen. Daher senken die Experten ihre Einschätzung von "neutral" auf "negativ", teilte die Agentur mit.

"Die schwache Profitabilität wird weiter abnehmen, da die Zinserträge fallen", sagt Bernhard Held von Moody's. "Traditionellen Banken sowie den besonders vom Kreditgeschäft abhängigen Instituten wird es schwerfallen, in dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld mehr als ihre Kosten zu erwirtschaften." Auch die ungewöhnlich niedrigen Rückstellungen für ausfallgefährdete Darlehen würden daran nichts ändern.

Keine bessere Idee als Strafzinsen
Dieses Umfeld wird kleinere Banken, die sich vor allem auf das Kreditgeschäft verlassen haben, besonders hart treffen, meinen die Analysten von Moody's. Die Wertpapiere, die die Banken im Bestand halten, sowie die ausgegebenen Kredite bringen immer niedrigere Zinsen ein. Die an die Kunden ausbezahlten Zinsen wiederum nähern sich der Null-Marke. Und den Geldhäusern ist es bislang kaum gelungen, ihre hohes Aufwand-Ertrags-Verhältnis zu senken. Im Jahr 2018 habe diese Kennziffer bei rund 80 Prozent gelegen. Einem Euro an Ertrag stehen also 80 Cent an Kosten gegenüber.

Besserung sei nicht in sich, so die Bonitätswächter. Die Privatkunden horten ihr Vermögen weiterhin bei den Instituten, da sich an den Anleihemärkten keine Alternativen bieten. Zudem scheuen die Deutschen Aktien- und Fondsinvestments. Die hohen Sparguthaben werden aber zur Belastung für die Banken. Immer mehr Institute erwägen daher, auf größere Vermögen Strafzinsen zu erheben, so die Analysten. Tatsächlich ist bereits ein erheblicher Teil der Bankeinlagen mit negativen Zinsen belegt, wie jüngst Daten der Bundesbank zeigten.(ert)