Die Deutsche Börse steht Insidern zufolge kurz vor der Übernahme der europäischen Fondsvertriebsplattform Allfunds Group, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Der Kaufpreis soll sich auf rund 5,3 Milliarden Euro belaufen und sowohl Bar- als auch Aktienkomponenten umfassen.

Nachdem der Frankfurter Börsenbetreiber bereits Ende November exklusive Gespräch zur Übernahme führte, steht dem Vernehmen nach nun eine finale Vereinbarung mit Allfunds an. Eine Ankündigung könnte bereits in dieser Woche erfolgen, hieß es. Im November hatte die Deutsche Börse mitgeteilt, ein unverbindliches Angebot über etwa 8,80 Euro je Aktie abgegeben und exklusive Verhandlungen mit dem Verwaltungsrat von Allfunds aufgenommen zu haben.

Die Aktie von Allfunds hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 60 Prozent an Wert gewonnen. Das an der Börse in Amsterdam gelistete Unternehmen wird damit derzeit mit etwa 4,8 Milliarden Euro bewertet.

Kartellrechtliche Prüfung möglich
Trotz des fortgeschrittenen Stands der Gespräche könnten diese Insidern zufolge jederzeit ins Stocken geraten oder sogar scheitern. Analysten der Jefferies Financial Group um Tom Mills hatten bereits im November darauf hingewiesen, dass die Europäische Kommission eine vertiefte kartellrechtliche Prüfung einleiten könnte. Grund dafür wäre die Zusammenführung der beiden führenden Akteure im B2B-Markt für Fondsplattformen.

Langes Interesse an Allfunds
Allfunds hatte bereits vor mehr als zwei Jahren das Interesse von Private-Equity-Investoren an einer Übernahme ausgelotet. Die Gespräche wurden jedoch wieder beendet, da die damaligen Angebote nach Einschätzung des Unternehmens das eigene Wachstumspotenzial nicht ausreichend widerspiegelten.

Die Deutsche Börse kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro. Laut "Bloomberg" hatte sie bereits 2020 einen möglichen Einstieg bei Allfunds erwogen. 2021 entschied sich Allfunds für einen Börsengang. Im Jahr 2023 legte der europäische Börsenbetreiber Euronext ein unverbindliches Angebot über 5,5 Milliarden Euro vor, verfolgte dieses Vorhaben jedoch nicht weiter.

Plattform mit 1,7 Billionen Euro verwaltetem Vermögen
Allfunds bietet Fondsmanagern und -vertrieben Lösungen für Abwicklung, Handel, Datenanalyse und Compliance. Das verwaltete Vermögen belief sich Ende September auf 1,7 Billionen Euro. Die Software des Unternehmens ermöglicht es Kunden, verschiedene Investmentfonds zentral zu überwachen und zu handeln. Fondsgesellschaften können zudem mithilfe von Reporting-Tools ihre Bestände und Mittelströme analysieren.

Nach Angaben des Unternehmens halten die Private-Equity-Gesellschaft Hellman & Friedman sowie die französische Bank BNP Paribas zusammen 49 Prozent an Allfunds.

Allfunds und Hellman & Friedman wollten sich zu dem Thema nicht äußern. Eine Sprecherin der Deutschen Börse verwies auf die Mitteilung vom November, in der die exklusiven Gespräche mit Allfunds bestätigt worden waren. Darüber hinaus wollte sie keine Stellungnahme abgeben. (mb/Bloomberg)