Der Streit darüber, wer in der österreichischen B&C Einfluss nehmen kann, dürfte endgültig vom Tisch sein. Die Bank-Austria-Mutter Unicredit hat ihre verbleibenden Rechte ("Letztbegünstigtenrechte") an der B&C-Stiftung zurückgegeben, die im Jahr 2000 von der Bank Austria eingerichtet worden war. Eine bereits im Oktober getroffene Vereinbarung über die Rückgabe ist rechtsgültig geworden, nachdem die Behörden grünes Licht gegeben haben, teilte die B&C am Donnerstag mit.

Damit seien "alle Spekulationen über potenzielle externe Einflussmöglichkeiten bei der B&C Privatstiftung" beendet, heißt es. "Die Unabhängigkeit der B&C Privatstiftung und ihrer Beteiligungen ist nunmehr ausdrücklich sichergestellt", schreibt das Unternehmen in einer Aussendung.

Die Vorgeschichte
Im Oktober 2018 war bekannt geworden, dass der Geschäftsmann Michael Tojner der Bank die Letztbegünstigtenrechte abkaufen will. Die B&C wertete das als feindliche Übernahme. Sie hatte von der Unicredit im Jahr 2008 um 1,2 Milliarden Euro bereits die bis dahin noch bestehende Genuss- und Begünstigtenrechte erworben – eben um Einflussmöglichkeiten auszuschließen. Nur die sogenannten Letztbegünstigtenrechte waren bei der Unicredit verblieben. Allerdings wären diese nur im Fall einer Auflösung der Stiftung schlagend geworden, wie es bei B&C heißt.

Es wurde befürchtet, dass Tojner und verbündete Investoren genau das vorhaben. Sie hätten laut den damals kolportierten Verhandlungen 100 Millionen Euro bezahlt und weitere 150 für den Austausch des B&C-Vorstands. Die Unicredit sollte von der Stiftung außerdem jährlich die Dividenden ihrer Industriebeteiligungen erhalten, so lange, bis ein Gesamtkaufpreis von einer Milliarde Euro zusammen ist.

Das Manöver des streitbaren Investors Tojner wurde oft als "Heuschreckenüberfall" auf österreichische Unternehmen dargestellt. Aber auch an der B&C gibt es seit je Kritik – etwa über Intansparenzen oder hohe Honorare an Personen aus dem Stiftungsumfeld.

Preis bleibt geheim
Wie viel die B&C nunmehr bezahlt hat, wird nicht kommuniziert. Der Betrag soll laut Medienberichten unter den 100 Millionen Euro, die Tojner geboten hätte, liegen. Jedenfalls schreibt die Unicredit in einer Aussendung aus dem Oktober, die Transaktion sei "nicht materiell" für die Gewinn- und Verlustrechnung. Eigentliche Erwerberin der Letztbegünstigtenstellung ist die eigens eingerichtete Commitment Privatstiftung. Sie wurde unter anderem von Berndorf-Eigentümer Norbert Zimmermann, Peter Pichler, Werner Floquet und mit einem Minianteil von 0,25 Prozent von der B&C-Stiftung errichtet, wie "Die Presse" berichtet.

Die B&C-Gruppe hält derzeit die Mehrheit an den börsenotierten Unternehmen Lenzing, Semperit und Amag, die im Jahr 2018 laut den Angaben gemeinsam auf einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro kamen. Darüber hinaus ist sie zu zehn Prozent an der Vamed beteiligt, so wie über den Investmentarm B&C Innovation Investments an mehreren Technologieunternehmen. (eml)