Finanzinstitute rund um den Globus haben über die vergangenen zehn Jahre Bußen in Höhe von 372 Milliarden Dollar gezahlt. Dies zeigt eine Auswertung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Auf Europas Banken entfallen demnach Strafen und Entschädigungen in Höhe von 145 Milliarden, amerikanische Institute 226 Milliarden Dollar. Mit 57 Prozent floss der Löwenanteil der Gesamtsumme an US-Behörden, 37 Prozent als Wiedergutmachung an Kunden. Nur sechs Prozent gingen in europäische Staatskassen.

Diese Milliardenlast beeinträchtigt zusätzlich die ohnehin schon angeschlagene Finanzlage der Geldhäuser weltweit. Denn praktisch rund um den Globus ließ die Ertragskraft der Institute in den vergangenen Jahren nach, fanden die Autoren der Studie heraus. Lediglich in Südamerika, dem Nahen Osten und Afrika arbeiten die Banken weiterhin recht profitabel, so die Unternehmensberater.

Verschiedene Leiden
Dabei leiden die Institute je nach Region an unterschiedlichen Schwächen. So ringen insbesondere Europas Geldhäuser unter vielen ausfallgefährdeten Krediten. Entsprechend hoch sind die Aufwendungen für die Risikovorsorge. Zwar konnten die Banken im Schnitt die operativen sowie die Refinanzierungskosten etwas senken. Angesichts stagnierender Einnahmen und der steigenden Risikovorsorge konnten die Institute im Schnitt nicht ihre Kapitalkosten erwirtschaften.

Die nordamerikanischen Banken wiederum haben die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 besser überwunden. Die gute Konjunkturlage sowie die steigenden Zinsen bescherten den Geldhäusern wachsende Einnahmen. Doch dieser Zuwachs wurde zuletzt durch steigende operative Kosten sowie höhere Ausgaben für die Risikovorsorge zunichtegemacht. Auch die Banken im asiatisch-pazifischen Raum ringen mit höheren Kosten, so die Unternehmensberater.

Digitale Umwälzung
Grundsätzlich rechnen die BCG-Experten mit erheblichen Umwälzungen in der Branche durch die Digitalisierung. Junge, aufstrebende und spezialisierte Fintechs lösen zunehmend bestimmte Dienstleistungen aus der Wertschöpfungskette heraus und bieten diese effizienter an als traditionelle Banken. Diese wiederum stehen vor der Frage, ob sie noch als universelle Finanzdienstleister agieren oder sich ihrerseits auf bestimmte Bereiche spezialisieren sollen, um wirtschaftlich zu überleben. (ert)