Das Pariser Fondshaus Rouvier Associés hat mit seinem Flaggschifffonds, dem Rouvier Patrimoine, in der Vergangenheit einige Beachtung unter Sicherheitsliebhabern erlangt, weil dieser trotz sehr geringen Risikos relativ einträglich war. Seit dem Gründungsjahr 1991 erzielte der Patrimoine bei einer Volatilitätsmarke von nur drei Prozent (monatliche Basis) eine annualisierte Performance von 5,1 Prozent oder kumuliert von 286 Prozent.

Zu den Erfolgsfaktoren gehört, dass das Management bewusst seine nationale Expertise ausspielt: Neben globalen Qualitätstiteln werden gezielt immer wieder große Positionen bei französischen Playern aufgebaut, die international kaum Beachtung finden und daher sehr günstige Kaufoptionen bieten.

Diversifizierung schwer gemacht
Unternehmensanleihen von Gecina (Immobilien) und Crédit Logement (Immobilienfinanzierung) oder im Aktienektor STEF (Lebensmittelspedition) oder die zahlreichen Crédit Agricole-Ableger (Crcam), die fünf Prozent Dividendenrendite liefern, hat ein Anleger im deutschsprachigen Raum wohl kaum auf seiner individuellen Liste oder über einen anderen Fonds investiert – insofern eine Blickfang für alle, die nach Diversifizierungsmöglichkeiten suchen.

Allerdings: Diese Möglichkeit zur Streuung wird dem Anleger derzeit nicht gerade erleichtert. Denn angesichts der Prüf-Erfordernisse rund um die Mifid II-Regulierung lassen viele Banken im Fondsvertrieb oft nur mehr einige Blockbuster auf ihrer Verkaufsliste stehen. Ein Thema, das den Rouvier-Verantwortlichen derzeit Kopfzerbrechen bereitet.

Ausreden allenthalben
Was als Anlegerschutz gedacht war, gerate momentan zum Nachteil der Anleger, die sich mit drastisch verknappten Investitionsoptionen konfrontiert sehen, sagt Patrick Linden, Managing Partner bei Rouvier. "Und viele Banken nutzen die Regulierung auch, um das mit dem eigenen Haus verbundene Fondsangebot gegenüber der Konkurrenz wieder stärker zu positionieren. Es kann sich nur etwas ändern, wenn die Anleger alternative Angebote von ihrem Berater einfordern", so Linden im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Apropos Berater: Die versucht Rouvier gerade zu motivieren, die Kunden mehr "ins Aktivkapital reinzubringen", so Linden – bedeutet, dass sich die Anleger nicht von der permanenten Rede vom nächsten Crash irritieren lassen dürfen, sondern sich dort in den Aktienmarkt wagen müssen, wo es bewertungstechnisch noch Sinn macht: "Viele haben nicht bemerkt, dass die Inflation wirklich zurückgekehrt ist. Das bedeutet, dass man Geld verliert, wenn man es liegen lässt", mahnt Linden.

Um die Vorbehalte zu überwinden, hat Rouvier als Vorschlag für Berater einen Umschichtungsplan aufgestellt. Der Anleger soll einen größeren Einmalbetrag in die Sicherheitsvariante investieren und davon – ähnlich einem Sparplan – monatlich einen Betrag in mehr Risiko bringen.

Patrimoine umgeschichtet
Auch intern stehen bei Rouvier die Zeichen ganz auf Wandel: Der konservative Patrimoine, der zu mindestens 70 Prozent in Investmentgrade-Anleihen geht, wurde im Vergleich zum Vorjahressommer sehr stark auf einen Zinsanstieg und eine deutliche Aufhellung der Wirtschaft umgeschichtet: Vergangenen Sommer sah man im Patrimoine noch 51 Prozent Staatsanleihen – und zwar ausschließlich deutsche – heute sind es insgesamt nur noch rund 37 Prozent Government Bonds, darunter wieder eine hohe Portion an französischen Sovereigns. Die Unternehmensanleihen (Investment Grade) wurden gleichzeitig von 21 auf 38 Prozent kräftig angehoben. Dabei setzte das Management insbesondere auf Floating Rate Notes, deren Coupon bei einem Zinsanstieg mitsteigen würde.

Trotz schwieriger Themen wie Handelskrieg, Italiens Haltung zu Europa oder Brexit seien die Märkte verhältnismäßig stabil, was den guten Zahlen der Unternehmen zuschreiben sei. Linden zeigt sich vor allem von der neuen Stärke Frankreichs überzeugt, die außerhalb des Landes zu wenig wahrgenommen werde. "In Frankreich läuft es wirklich gut. Macron ist der erste Präsident seit langem, der seine Agenda durchsetzen kann, weil er im Parlament die Assemblée nationale (Unterhaus) hinter sich hat und nicht auf Basis einer Koalition regieren muss", so Linden.

Die Bildungsreform und der zehn Milliarden Euro schwere Digitalisierungsfonds seien mehr als nur Signale. "Paris hat mittlerweile Berlin als Start-up-Hub überholt. Frankreich hält erstmals seit zehn Jahren die Maastricht-Neuverschudungsquote von unter drei Prozent ein", so Linden.

Bei Bewertungskriterien bleiben – Rücksetzer nutzen
Nicht nur, was den anleihendominierten Patrimoine betrifft, fühlt sich das Unternehmen gut aufgestellt. Auch bei den bereits hoch bewerteten Aktienmärkten zeigt sich Rouvier gewappnet: Im Valeur-Fonds (mindestens 75 Prozent Aktienquote) steht derzeit eine Kassenposition von 14,6 Prozent zu Buche – Liquidität, die man bei etwaigen Rücksetzern nutzen möchte, um zuzukaufen.

"Wir fühlen uns gut, auch bei hohen Bewertungen haben wir unsere Strategie nicht verändert. Wir kaufen bei Unterbewertung und verkaufen konsequent Titel, die uns zu teuer geworden sind. Es macht sich gerade in diesem Umfeld bezahlt, dass wir nur wenige Unternehmen haben, die aber in- und auswendig kennen", so Linden. Er gibt sich zuversichtlich: "Die Wirtschaft läuft gut, die Ergebnisse im S&P 500 haben vielfach die Erwartungen übertroffen, wenn Rücksetzer kommen, sehen wir das als Chance, mit der vorhandenen Liquidität das Portfolio aufzufüllen. Möglicherweise sehen wir noch einmal eine kleine Rallye gegen Jahresende", so Lindens Prognose. (eml)