M&G-Länderchef: "Eine Bewegung, die ich selten zuvor gesehen habe"
Trotz Gegenwind wächst M&G in Deutschland und Österreich. Was die Renaissance europäischer Value-Titel damit zu tun hat und warum die Dependance nicht allein als Vertriebsstandort dient, erläutert Länderchef Werner Kolitsch im Interview mit FONDS professionell ONLINE.
Das britische Traditionshaus M&G rang lange mit einem schwachen Wachstum. Über einige Jahre zogen Anleger unter dem Strich Geld aus den Fonds der Gesellschaft ab. Zudem schlug der Asset Manager einen Sparkurs ein. Nunmehr hat sich der Wind gedreht. Wie die Lage in Deutschland und Österreich ist, verrät Länderchef Werner Kolitsch im Interview mit FONDS professionell, das auch im Heft 2/2026 erscheint, welches in den nächsten Tagen zugestellt wird.
Herr Kolitsch, M&G hinkte der Konkurrenz einige Zeit beim Wachstum hinterher. Wie entwickelt sich die Nachfrage?
Werner Kolitsch: Tatsächlich haben wir in den vergangenen zehn Jahren ein deutliches Wachstum erzielt. Das vergangene Jahr sticht besonders heraus. Wir haben einen Rekord bei den Mittelzuflüssen markiert. Auf der Aktienseite war eine Bewegung zu beobachten, die ich in diesem Ausmaß selten zuvor gesehen hatte. Anleger zogen im großen Stil Geld aus den USA ab und schichteten es in europäische Aktien um. Davon hat vor allem unser European Strategic Value Fund profitiert und sich als wahrer Verkaufsschlager etabliert. Daraus lässt sich eine klare Trendwende ablesen.
Wie steht das Geschäft in Deutschland und Österreich da?
Kolitsch: In Deutschland und Österreich haben wir unser Geschäft von drei Milliarden auf rund 16 Milliarden Euro ausgebaut – mehr als eine Verfünffachung. Das Geschäft präsentiert sich recht ausbalanciert, verteilt zu jeweils rund 50 Prozent auf den Wholesale- und den institutionellen Bereich. Zudem sind wir sehr diversifiziert aufgestellt. Das verwaltete Vermögen streut sich über Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen, Infrastruktur und Immobilien sowie die Privatmärkte.
Beschert diese Aufstellung Ihrem Haus auch in Deutschland einen Zuwachs?
Kolitsch: Wir wachsen in Deutschland. Das ist ein wichtiges Signal. Denn Deutschland stellt für unser Unternehmen nicht einfach nur einen Vertriebs-, sondern vielmehr einen Kernmarkt dar. So ist die Niederlassung in Frankfurt nicht allein ein Vertriebsstandort, sondern auch ein Investmentzentrum. Wir werden hier weiter investieren und wollen weiter wachsen. Deutschland zählt zu den Märkten, in denen wir über die vergangenen fünf Jahre einen regelrechten Wachstumsschub erlebt haben.
Welche Rolle spielt Österreich?
Kolitsch: Österreich dient als Brücke zu Zentral- und Mittelosteuropa. Auch dieses Geschäft bescherte uns einen Wachstumsschub. Besonders stark ist hier das Interesse von institutioneller Seite.
Zurück zum Wholesale-Segment: Aus welchen Kanälen kam besonderer Zuspruch?
Kolitsch: Einerseits entsprang die Nachfrage dem Bereich des diskretionären Portfoliomanagements. Auf der anderen Seite kam aber auch starkes Interesse aus der Retailberatung, was mich positiv überrascht hat. So konnten wir in den Vertrieben der großen Retailbanken wieder Fuß fassen. Aber auch von Vermögensverwaltern und freien Beratern registrieren wir eine große Nachfrage.
Wie kam es dazu?
Kolitsch: Drei Faktoren entscheiden hier über den Erfolg: eine starke Marke, eine gute Performance sowie eine gute Investmentstory. Das erfordert ein gewisses Durchhaltevermögen. Der Aufbau einer renommierten Marke benötigt Jahre. Auch an der Story der Wiederkehr Europas arbeiten wir schon lange. Und am Ende ist es simpel: Mittel fließen nur zu, wenn die langfristige Performance stimmt.
Warum haben die Investoren überhaupt wieder Interesse an Europa?
Kolitsch: Wir profitieren einerseits von einer strukturellen Bewegung in Richtung Value-Aktien. Andererseits wenden sich Investoren zunehmend Europa zu. Dahinter steht sicherlich die erratische Politik in den USA. Mit Blick auf den Hype um künstliche Intelligenz setzt zudem eine Besinnung ein. Die erheblichen Investitionen, die in KI fließen, müssen erst einmal zum Tragen kommen. Es muss sich erst erweisen, ob sich die gehegten Hoffnungen auch erfüllen.
Dennoch nehmen die US-Finanzmärkte immer noch das größte Gewicht ein.
Kolitsch: Gerade angesichts des Übergewichts mancher US-Mega-Caps schält sich immer mehr heraus: Diversifikation ist kein 'Nice-to-have' mehr, sondern erweist sich als entscheidender Erfolgsfaktor. Angesichts dieser Zusammenhänge bevorzugen viele Anleger stabile Cashflows sowie geringe Konzentrationsrisiken, wie sie eben in Europa und bei Value-Aktien zu finden sind. Das alles spricht für Europa.
Finden sich auf dem alten Kontinent denn genügend aussichtsreiche Unternehmen?
Kolitsch: In Europa finden sich viele hochspannende Aktien. Eine Entdeckung unserer Portfoliomanager ist etwa der Eiscreme-Hersteller Magnum. Dabei handelt es sich um einen Spin-off des Lebensmittelkonzerns Unilever und einen klassischen Value-Titel. Magnum wahrt eine strikte Kostendisziplin, weist enorme Cashflows auf und stützt sich auf eine starke Marke samt entsprechender Preissetzungsmacht. Und ganz nebenbei ist es auch mein Lieblingseis.
Daneben wendet sich M&G immer mehr den Privatmärkten zu. Doch diese kassierten zuletzt einen Dämpfer. Anleger ziehen Mittel ab. Manche Fonds setzen die Anteilsrücknahme aus.
Kolitsch: Die Frage ist, ob tatsächlich Ausfälle bei den Portfoliounternehmen die Ursache sind oder andere Gründe dahinterstehen. Aus unserer Sicht scheinen die Probleme in erster Linie von Fonds auszugehen, die nicht gemäß den Standards verwaltet wurden, die Anleger erwarten würden – und in einigen Fällen von noch ernsthafteren Governance-Themen. M&G verfolgt dagegen eine sehr konservative Ausrichtung. Zudem fokussieren wir uns auf Europa, wo die Softwarebranche, die in diesem Marktsegment ins Feuer geriet, eine weitaus geringere Bedeutung einnimmt.
Aber finden Privatmarktstrategien angesichts der Lage überhaupt Anklang?
Kolitsch: Derzeit beobachten wir eine gewisse Vorsicht, bei manchen auch Skepsis, gegenüber den Privatmärkten. Wir versuchen in den Kundengesprächen, Mythen auszuräumen. Jeder Markt unterliegt Zyklen – auch Private Debt oder Private Credit. Diese Segmente müssen eine gewisse Reife erlangen. Ausfälle können in dieser Anlageklasse ebenso auftreten wie in jeder anderen, es ist daher wichtig, darauf vorbereitet zu sein. Bei M&G verfügen wir über eine langjährige Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Marktzyklen, unterstützt von einem eigenen Restructuring-Team, das sich solcher Fälle annehmen kann und darauf ausgerichtet ist, Ausfallsituationen professionell zu steuern.
Zudem hat M&G börsengehandelte Fonds auf den Markt gebracht. Wie wollen Sie die aktiven ETFs hierzulande vermarkten?
Kolitsch: Die Zuflüsse in ETFs sind einfach enorm, das Segment boomt. Nicht mehr nur Selbstentscheider wenden sich im großen Stil ETFs zu. Digitale Vertriebskanäle verzeichnen ein massives Wachstum – und stützen sich auf ETFs. Ein Asset Manager muss daher einfach diese Produktkategorie mit an Bord haben. Wir sind bislang mit zwei aktiven Anleihen-ETFs dabei und mit einer zusätzlichen Aktienstrategie, die in Kürze aufgelegt wird, die unser bestehendes Sales-Team im Gepäck führt.
Das heißt, Ihre Vertriebsmitarbeiter verkaufen klassische Fonds und zugleich ETFs?
Kolitsch: Grundsätzlich vermarkten wir die ETFs aus dem bestehenden Team heraus. Es handelt sich um aktive Strategien, die eine entsprechende Erläuterung benötigen. Natürlich haben wir unser Sales-Team auch zu ETF-spezifischen Themen geschult. Detaillierte Rückfragen kann das Vertriebsteam zudem an die ETF-Spezialisten in London weiterleiten.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS










