"Meilenstein für digitalen Handel": Termin für Euro-Stablecoin fixiert
Ein europäisches Bankenkonsortium bringt mit Qivalis ein neues Stablecoin-Projekt voran. Die Initiative soll Europas Position im digitalen Zahlungsverkehr stärken – und ab 2026 eine MiCAR-konforme Euro-Tokenlösung auf den Markt bringen.
Mit Qivalis haben zehn große europäische Banken ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das einen MiCAR-konformen Euro-Stablecoin entwickeln soll. Die Markteinführung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen. Der Name Qivalis stehe für den "Schlüssel zum Wert" ("Key to Value"), erklärte Geschäftsführer Jan-Oliver Sell. Ziel ist es, ein verlässliches digitales Zahlungsmittel zu schaffen, das sich konsequent an europäischen Standards orientiert. Das Unternehmen soll als E-Geld-Institut von der niederländischen Zentralbank zugelassen werden.
Dem Konsortium gehören unter anderem Caixabank, ING, KBC, SEB, Unicredit, Dekabank, Raiffeisen Bank International und seit Dezember auch BNP Paribas an.
Governance-Struktur steht – Amsterdam wird Standort
Die offizielle Vorstellung des Unternehmens fand am 2. Dezember in Amsterdam statt. Mit der Gründung wollen die beteiligten Institute demonstrieren, dass sie aktiv an einer europäischen, blockchainbasierten Marktinfrastruktur arbeiten möchten. Die Initiative baut auf gemeinsamer Risikobasis und klarer regulatorischer Aufsicht auf und versteht sich als europäische Antwort auf den US-dominierten Stablecoin-Markt.
Führungsteam mit internationaler Erfahrung
An die Spitze von Qivalis rückt Jan-Oliver Sell, der zuvor bei Coinbase Germany, Binance und iFunded tätig war. Unterstützt wird er von Floris Lugt als CFO, der aus dem Digital-Assets- und Treasury-Bereich von ING kommt. Den Aufsichtsrat soll Howard Davies führen – ehemaliger Chairman der Royal Bank of Scotland sowie früherer Leiter der britischen Finanzaufsicht FSA. Die Ernennungen stehen noch unter behördlichem Vorbehalt.
Sell bezeichnet den geplanten Euro-Stablecoin als "Meilenstein für den digitalen Handel und die Finanzinnovation in Europa". Eine native Abwicklung in Euro ermögliche Unternehmen und Verbrauchern eine unmittelbare Teilnahme am On-Chain-Zahlungsverkehr und digitalen Märkten. Transaktionen sollen schneller und günstiger werden.
Infrastruktur für effiziente digitale Zahlungen
Qivalis arbeitet nach eigenen Angaben bereits am regulatorischen Rahmen sowie an der technischen Plattform. Die Lösung soll grenzüberschreitende, programmierbare Zahlungen erleichtern und Prozesse in Lieferketten sowie bei digitalen Assets effizienter machen.
Eine solche Infrastruktur sei "unerlässlich, wenn Europa im globalen Wettbewerb der digitalen Wirtschaft bestehen und seine wirtschaftliche Unabhängigkeit wahren will", betonte Howard Davies. Datenschutz, Finanzstabilität und regulatorische Anforderungen müssten auch im digitalen Geld verankert bleiben.
Das Konsortium signalisiert weiterhin Offenheit für weitere Banken, die sich dem Projekt anschließen möchten.
Vorteile für Kunden im Fokus
RBI-Chef Johann Strobl unterstreicht die strategische Bedeutung: "Stablecoins sind ein wichtiger Pfeiler unserer Strategie für digitale Vermögenswerte." Sie könnten interne Abläufe verbessern und Kunden "schnellere und kostengünstigere Transaktionen und Zahlungsoptionen" bieten. Der Zusammenschluss mehrerer Banken erhöhe Effizienz, verteile Risiken und schaffe ein robustes Ökosystem im Rahmen der europäischen MiCAR-Regulierung. (mb)














