Die Börse Stuttgart Group treibt den Ausbau ihres Kryptogeschäfts voran. Die Digital-Tochter soll sich daher mit dem Frankfurter Kryptohändler Tradias zusammenschließen. Das hat "Bloomberg News" exklusiv von den beiden Unternehmen erfahren.

"Der Kryptomarkt entwickelt sich gerade sehr dynamisch weiter, und wir wollen die besten Voraussetzungen für Wachstum in diesem Markt schaffen", sagte Matthias Voelkel, Chef der Börse Stuttgart Group. Durch die geplante Fusion von Börse Stuttgart Digital und Tradias werde ein Unternehmen geformt, das von Brokerage über Handel bis hin zur Verwahrung von Kryptowährungen alles anbietet.

Bewertung von Tradias bei rund 200 Millionen Euro
Bei der Transaktion würde Tradias mit rund 200 Millionen Euro bewertet, wie "Bloomberg" aus informierten Kreisen erfahren hat. Vertreter der beteiligten Parteien wollten sich zu diesem Detail nicht äußern.

Die Eigentümer von Tradias, darunter der Unternehmer Christopher Beck und Family Offices, sollen Anteile an dem fusionierten Krypto-Unternehmen erhalten. Das Management wird den Plänen zufolge aus Vertretern beider Seiten bestehen. Hauptsitze werden Stuttgart und Frankfurt sein.

Tradias tritt im Kryptohandel nicht selbst im Endkundengeschäft auf. Vielmehr agiert das Unternehmen als Dienstleister für Broker und Banken im Hintergrund. Zu den Kunden zählen unter anderem Trade Republic, Flatex-Degiro und die DWP Bank, welche zur Hälfte der DZ Bank gehört.

"One-Stop-Shop für Banken und Broker"
Die Börse Stuttgart Digital wiederum betreibt mit Bison eine regulierte Retail-Kryptoplattform mit mehr als einer Million Nutzern sowie einen institutionellen Kryptobroker, eine Börse für Kryptowährungen und einen Kryptoverwahrer. Die Infrastruktur wird institutionellen Kunden angeboten, unter anderem aus dem deutschen Sparkassen- und genossenschaftlichen Sektor.

"Es entsteht ein One-Stop-Shop für Banken und Broker, die ihren Kunden den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen sowie deren sichere Verwahrung aus einer Hand anbieten wollen", sagte Beck gegenüber "Bloomberg".

DWS hatte bereits Interesse an Tradias
Eigenen Angaben zufolge ermöglicht Tradias den Handel von mehr als 150 Kryptowährungen und weiteren digitalen Assets. Hervorgegangen war die Firma einst aus dem 1985 in Frankfurt gegründeten Bankhaus Scheich. An der Spitze steht Michael Reinhard, der zuvor Chef von Universal Investment war.

Vor rund drei Jahren hatte nach Informationen von "Bloomberg" bereits die DWS Group, der Asset Manager der Deutschen Bank, eine Beteiligung an Tradias erwogen. Zu den Motiven gehörte demnach das Ziel, das Wachstum der DWS voranzutreiben.

Abschluss in der zweiten Jahreshälfte 2026 geplant
Der Zusammenschluss von Börse Stuttgart Digital und Tradias soll nach Angaben der Beteiligten in der zweiten Jahreshälfte 2026 vollzogen sein, sofern denn die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden und die Aufsichtsbehörden der Transaktion zustimmen. (mb/Bloomberg)