Deutsche Banken machen im Geschäft mit vermögenden Privatkunden kaum Gewinn. Und sie sind zumindest teilweise selber daran schuld: Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey betragen die Gewinnmargen der Banken in Deutschland i Wealth Management 0,1 Prozent, in Europa liegen sie im Schnitt bei 0,22 Prozent des verwalteten Vermögens. Das "Handelsblatt" berichtet, dass dies in erster Linie an den Ertragsmöglichkeiten der Banken liegt. Die Ertragsmargen, die im Jahr 2007 in Europa wie in Deutschland noch bei 0,87 Prozent des verwalteten Vermögens lagen, sind in Deutschland seither deutlicher gesunken als in Europa, heißt es. Im Jahr 2019 lagen sie in Deutschland gerade noch bei 0,55 Prozent, in Europa im Schnitt bei 0,71 Prozent. Die in Deutschland etwas geringere Kostenquote habe dies nicht auffangen können.
 
Die Ursache sitzt tiefer: Deutsche Geldhäuser seien abhängiger von wiederkehrenden Gebühren als ihre europäischen Wettbewerber. Zudem ist die Kostenquote in dem Geschäft seit 2007 von 66 Prozent auf 83 Prozent gestiegen. Der europäische Vergleich liegt bei 69 Prozent. "Deutsche Banken in diesem Segment haben es verpasst, in den Jahren, in denen die Märkte gut liefen, ihre Prozesse viel stärker zu automatisieren und zu digitalisieren, um das Kostenniveau weiter zu senken", sagt Christian Zahn, einer der Studienautoren und Partner bei McKinsey, gegenüber dem Handelsblatt. Um die Ertragsseite zu verbessern, würden die Banken ein höheres Kreditvolumen im Verhältnis zum verwalteten Vermögen benötigen oder müssten höhere Gebühren erheben.
 
Nur kurzfristige Besserung
Zwar habe sich die Lage durch die Covid-19-Pandemie vorübergehend verbessert. Es gebe aber unverändert "enorme neue Herausforderungen" für die Banken. Die mit der Pandemie einhergehende Unsicherheit werde Margen und Erträge weiter belasten, die Kunden würden zudem verstärkt digitale Betreuungsmöglichkeiten einfordern.

In Relation zum Vergleichsjahr 2007 habe sich der Ertragspool in Deutschland halbiert. Hinzu komme, dass die deutschen Anleger ein relativ konservatives Anlageverhalten an den Tag legen, so Christian Zahn. Der Anteil alternativer Investments sei im europäischen Durchschnitt mit acht Prozent beispielsweise doppelt so hoch wie in den deutschen Depots vermögender Kunden. (fp)