Loys-Starfondsmanager Christoph Bruns glaubt nicht daran, dass die Europäische Zentralbank in absehbarer Zeit den Leitzins erhöhen wird und hält Aktiensparen für alternativlos als Altersvorsorgelösung. Daher, so seine Meinung, müsste diese Anlageform hierzulande dringend gefördert werden. "Fakt ist, dass Deutschland durch die Fehlallokation in festverzinsliche Geldanlagen verglichen mit anderen Ländern in der Vermögensstatistik schlecht dasteht und weiter zurückfällt", erklärt Bruns im Interview mit FONDS professionell. "Damit wir nicht direkt in eine Krise der Altersversorgung schlittern, müsste die Bundesregierung in dieser Situation Anreize für das Aktiensparen setzen, aber das ist nicht zu erwarten", so Bruns.

In der Bundespolitik herrsche offenbar kein Bewusstsein für dieses Problem. "Ich habe kürzlich den langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten und Rechtsexperten Wolfgang Bosbach getroffen und ihn gefragt, ob in Berlin denn niemand sieht, dass wir eine Fehlallokation des Volksvermögens haben", berichtet Bruns. "Darauf bekommt man keine Antwort, das ist offensichtlich nicht von Interesse." Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) messe dem Thema keine Bedeutung bei. "Und wir haben ja gesehen, wie die Reaktionen auf die Vorschläge von Friedrich Merz zur Förderung einer Aktienkultur ausgefallen sind", sagt Bruns. "Mit solchen Ideen können Sie hierzulande keinen Stich machen." 

Konzepte schon in der Tasche
Bruns selbst hält eine Abkehr von Zinspapieren aber nicht nur für wichtig. Er hat auch konkrete Vorstellungen davon, wie sie sich bewerkstelligen ließe. "Ändern wir doch das Steuergesetz so, dass Verluste aus Aktiengeschäften mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden dürfen", schlägt er vor. "Wenn es an der Börse nach unten geht, wären Verluste etwa vom Einkommen abzusetzen. Wenn es hoch geht, fällt es Anlegern leichter, Steuern zu zahlen", ist er überzeugt. Auf diese Weise könnte den Bundesbürgern die "Angst vor der Aktie" genommen werden. Und weil die Unternehmen im Lauf der Zeit wertvoller würden, wäre der Staat der größte Nutznießer.

Der Loys-Starmanager har noch ein zweites Konzept parat: "Sobald der Dax mal um 30 Prozent fällt, legt die Bundesregierung sofort Staatsanleihen in Höhe von 500 Milliarden Euro auf und investiert das Kapital in Aktien, am besten weltweit", sagt er. Was in Norwegen funktioniert, könnte hierzulande zumindest in ähnlicher Form schließlich auch klappen. Die dritte Überlegung von Bruns: "Wenn es nicht der Staat richten soll, könnte man den Bundesbürgern die genannten Steueranreize bieten, sie aber gleichzeitig dazu verpflichten, in Aktien- oder Mischfonds anzulegen", findet er. Jeder dürfte sich selbst ein Portfolio aussuchen. "Es gibt Tausende von Fonds am Markt, da ließe sich schon für jeden etwas finden", sagt der Loys-Mann.

21 Prozent seit Jahresbeginn
Seinen eigenen Aktienfonds, den Loys Global MH, hat Bruns im März dieses Jahres für neue Anleger wieder geöffnet, nachdem er im Herbst 2017 in den Soft Close gegangen war. "2018 hatten wir eine Korrektur, die uns die Gelegenheit bot, gute Titel günstig zu kaufen", sagt Bruns. Wer in dieser Zeit den Mut hatte, habe mit Aktien jetzt wirklich Freude. Der Loys Global MH habe 2018 zwar kräftig gelitten, obwohl er im Vergleich zum Markt deutlich konservativer aufgestellt ist. 19,9 Prozent hat der Fonds verloren. "Aber die Aktienzukäufe sorgen dafür, dass wir 2019 eine sensationelle Performance erzielen werden. Rund 21 Prozent hat der Fonds seit Jahresbeginn schon erreicht", sagt Bruns. 

Als Value-Investor versteht sich der Fondsmanager nicht. "Ich mag den Value-Begriff gar nicht und möchte auch nicht in diese Schublade gesteckt werden", erklärt Bruns. "Wir gehen viel pragmatischer vor. Aber wenn Sie fragen, ob wir auf den Zusammenhang zwischen Preis und Wert achten: Ja, das machen wir." (am)


Das vollständige Interview ist in FONDS professionell 2/2019 ab Seite 126 erschienen. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.