Die Londoner Börse wagt einen Großeinkauf. Für 27 Milliarden US-Dollar übernimmt der britische Handelsplatzbetreiber die Mehrheit am Finanzdatenanbieter Refinitiv. Dieser entstand im Jahr 2018 aus einer Abspaltung von dem kanadischen Konzern Thomson Reuters.

Die Mehrheit an der Ausgründung hielt mit 55 Prozent der Anteile bisher der Finanzinvestor Blackstone. Die London Stock Exchange (LSE) will den Kaufpreis vollständig in Aktien zahlen. Der Anteil von Blackstone und Thomson Reuters soll mit dem Deal auf unter 40 Prozent fallen.

Kräfteverhältnis verschoben
In dem neuen Unternehmen Refinitiv hatte Thomson Reuters sein Geschäft mit der Übermittlung von Börsenkursen, Konjunkturdaten, Informationen zu Fusionen und Übernahmen sowie die Devisenhandelsplattform FXall gebündelt. Auch die Fondsdatenbank Lipper zählt dazu. Und genau diese scheint es den Briten besonders angetan zu haben.

Seit der Finanzkrise sei in den Finanzmärkten eine Verschiebung der Aktivitäten von den Banken hin zu den Asset Managern zu beobachten, sagt LSE-Vorstandschef David Schwimmer dem Branchendienst "Financial News". Die Londoner Börse habe sich bislang auf das Geschäft mit der "Sell-side", also den Banken, konzentriert. Dies wolle sein Haus zwar fortführen, so Schwimmer. Doch vor allem wolle er mehr Geschäft mit der "Buy-side" betreiben – also den Fondsmanagern. (ert)