Die London Stock Exchange (LSE) will mit einer neuen Handelsplattform den Börsenhandel nahezu rund um die Uhr ermöglichen. Mit dem Angebot namens "LSE 24" reagiert die Börse auf den Trend zu längeren Handelszeiten und den wachsenden Wettbewerb durch alternative Handelsplattformen.

Die neue Plattform soll täglich von 17 Uhr bis 7:50 Uhr Londoner Zeit betrieben werden und damit die Zeit außerhalb des regulären Börsenhandels abdecken. Kundentests sollen bis Ende 2026 beginnen. Als erste Anlageklasse sollen in der ersten Hälfte 2027 ETPs gehandelt werden. In einem späteren Schritt könnte das Angebot auf Aktien ausgeweitet werden.

LSE-CEO Julia Hoggett erklärte, Ziel sei es, "die richtige Form von Liquidität für den richtigen Markt zur richtigen Zeit" bereitzustellen. Ob auch der Aktienhandel auf nahezu durchgängige Handelszeiten ausgeweitet wird, hängt unter anderem von der Zustimmung der britischen Finanzaufsicht FCA sowie von der Rückmeldung wichtiger Marktteilnehmer ab.

Wettlauf um längere Handelszeiten
Die LSE folgt damit einem internationalen Trend. Auch New York Stock Exchange, Nasdaq und Cboe planen, ihre Handelszeiten auf 23 Stunden an fünf Tagen pro Woche auszuweiten. Die Terminbörse CME arbeitet zudem an einem nahezu durchgängigen Handel für ausgewählte Rohöl- und Gold-Futures.

Die neue Plattform wird unabhängig vom regulären Börsenhandel betrieben. Die LSE startet bewusst mit ETPs, da diese Anlageklasse zunehmend international nachgefragt werde, so Hoggett.

Chancen und Risiken
Nach Einschätzung von Hector McNeil, Co-CEO des ETF-Spezialisten Han-ETF, profitieren Privatanleger von der größeren Flexibilität, insbesondere wenn wichtige Nachrichten außerhalb der klassischen Börsenzeiten veröffentlicht werden. Entscheidend werde jedoch sein, ob Market Maker auch während der Nacht ausreichend Liquidität und verlässliche Kurse bereitstellen. Ohne deren Beteiligung könnte die Liquidität zunächst begrenzt sein.

Die Einführung erfolgt in einer schwierigen Phase für die traditionsreiche Londoner Börse. In den vergangenen Jahren verlor sie zahlreiche börsennotierte Unternehmen durch Übernahmen und hatte zugleich Schwierigkeiten, neue Börsengänge anzuziehen. Mehrere prominente IPO-Kandidaten erwägen inzwischen, ihre Börsengänge auf 2027 zu verschieben. (mb/Bloomberg)