Die LLB hat in Österreich stets Zukaufsinteresse bekundet. Nach der Übernahme der Semper Constantia Privatbank im Jahr 2018 war es vorerst einmal ruhig geworden. Kürzlich gab es jedoch wieder einen Deal: Die Credit Suisse (CS) verlässt den Markt und empfiehlt ihren Kunden einen Wechsel zur LLB Österreich. Den Liechtensteinern bringt das nicht nur Asset-Wachstum, sondern auch neue strategische Möglichkeiten: Der CS-Standort Salzburg ebnet den Weg nach Westösterreich und später vielleicht nach Süddeutschland, wie Österreich-CEO Robert Löw erklärt.

"Ein Hub im Westen Österreichs ist sehr attraktiv für uns. Wir sehen großes Potenzial in den westlichen Bundesländern bis hin zum ­angrenzenden wirtschaftsstarken süddeutschen Raum", so Löw im Interview, das in der aktuellen Ausgabe von FONDS professionell erscheint. Mit der Credit Suisse sei man sich sehr schnell einig geworden. Er sagte, es sei Wunsch der CS gewesen, das Geschäft in Form einer Empfehlung beziehungsweise Vermittlungsvereinbarung abzugeben.

"Wunsch der Credit Suisse"
Wie FONDS professionell in der neuen Printausgabe ebenfalls berichtet, war es in der Branche mit Erstaunen aufgenommen worden, dass die Credit Suisse den Markt nur via Empfehlungsvereinbarung verlässt. Im Unterschied dazu hatte die CS-Kollegin UBS ihr hiesiges Private Banking kürzlich als Gesamtheit an die LGT Österreich verkauft hat und damit einen für Kunden und Belegschaft relativ nahtlosen Betriebsübergang geschaffen. Der "Referral-Deal" bei der CS hingegen bedeutet für Kunden, dass sie sich quasi um neue Verträge und Konten kümmern müssen, beziehungsweise, dass sie einen neuen Berater bekommen.

Die LLB hat immerhin einigen Credit-Suisse-Beratern ein Wechselangebot gemacht, wie Löw sagte. Das Vermittlungspotenzial liegt bei rund einer Milliarde Euro. Die Übernahme von CS-Kunden ist gerade voll im Gange, nachdem die Wettbewerbsbehörde den Deal kürzlich abgesegnet hat. "Wir führen intensive Gespräche und sind optimistisch, dass sehr viele zu uns kommen", so Löw.

Weitere Übernahmen im Blick
Die LLB werde in Österreich weiter als Konsolidiererin auftreten. Aufgrund des anhaltenden Tiefzinsumfelds und der steigenden Regulierungsaufwände erhöhe sich im Bankgeschäft der Druck auf kleine Anbieter weiter. "Daher glaube ich, dass es in den nächsten zwölf bis 24 Monaten weitere Konsolidierungen geben wird", so Löw. "Wir sind absolut offen und guter Dinge, dass uns auf Sicht wieder eine Übernahme gelingen wird", meint der LLB-Österreich-Chef.

Im Fondsbereich gibt es Produktneuheiten: Unter anderem wurde der bestehende Emerging-Markets-Fonds ESG-fit gemacht, was ein Aufwand gewesen sei, da nachhaltige Produkte für diese Region noch immer schwierig seien. Zum anderen will die LLB in Kürze einen Total-Return-Fonds auflegen, der zu 50 Prozent aus Aktien besteht; "die anderen 50 Prozent, die üblicherweise als Stabilisator in Anleihen veranlagt wären, ersetzen wir durch breit gestreute Alternative Investments. (...). Jedes klassische Anleiheninvestment bedeutet nach Inflation einen Realwertverlust. Das wollen wir kompensieren", so Löw.

Was die eigene Profitabilität betrifft, will die Mutter in Liechtenstein noch an der Kosten-Einnahmen-Relation arbeiten. Auch Österreich wird einen Teil beitragen müssen. Allerdings nicht über Einsparungen: "Wir wollen uns nicht gesundschrumpfen. Unsere Stoßrichtung ist klar: wachsen, wachsen, wachsen. Und so die Profitabilität erhöhen", so Löw. (eml)


Das Interview ist in der aktuellen Printausgabe von FONDS professionell erschienen, die Abonnenten soeben zugestellt wird und steht auch im E-Magazin zum Download bereit.