Sonja Laud ist Chefanlagestrategin bei Legal & General Investment Management (LGIM) und damit eine von wenigen Frauen, die in der Finanzbranche eine Führungsposition innehaben. Eine Frauenquote lehnt sie trotzdem ab, erklärt sie im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Es ist zwar erwiesen, dass gemischte Teams aus Männern und Frauen bessere Ergebnisse erzielen, weil sich nur so verschiedene Arten des Denkens zusammenbringen lassen", sagt sie. Andererseits funktionierten solche Teams aber nur, wenn die Zusammenarbeit auf Vertrauen und Respekt basiert. "Wenn man nun eine Frau auf Basis einer Quote in ein solches Team hinein holt, zerstört man genau dieses Vertrauen, das so wichtig ist. Darum bin ich gegen eine starre Quote."

Für Frauen, die es in der Finanzindustrie bis ganz nach oben schaffen wollen, hat Laud dennoch einen Rat: "Versucht nicht, männliches Verhalten zu kopieren!" Ihrer Erfahrung nach glauben manche Frauen, dass sie beruflich erfolgreich sein könnten, wenn sie sich mehr wie Männer verhalten und ein burschikoses Auftreten pflegen. "Daran glaube ich nicht, man sollte sich nicht verbiegen" erklärt die LGIM-Strategin. Als Voraussetzung für Erfolg im Job nennt sie etwas anderes: Leidenschaft. "Ich selbst unterhalte mich beispielsweise gerne auch zum Abendessen über Geldpolitik", verrät sie im Gespräch mit FAS.

Networking am Kneipentresen
Leidenschaft allein genügt allerdings nicht, um es als Frau in der männerdominierten Fondsbranche in eine Spitzenposition zu schaffen. "Man muss sich schon klare Ziele vornehmen", betont Laud. Sie selbst hatte eine Zeitlang einen Coach, der ihr dabei geholfen hat, ihre Ziele zu erreichen, berichtet sie. Dennoch stieß die Top-Strategin im Laufe ihrer Karriere immer wieder auf Schwierigkeiten. Etwa als sie ab 2005 in England für die DWS arbeitete: "Die Engländer nehmen ihr Mittagessen häufig vor dem Bildschirm ein, Kantinen gibt es nur selten. Ich musste also als Frau meine meist verheirateten Kollegen fragen, ob sie mit mir nach der Arbeit noch etwas trinken gehen wollen", erzählt sie. Das sei ihre einzige Chance zum Netzwerken gewesen.

Anfangs traute sich Laud nach eigenem Bekunden nicht, männliche Kollegen um einen gemeinsamen Drink nach Feierabend zu bitten. "Das kam mir damals komisch vor", sagt sie. Sie verweist darauf, dass Frauen traditionell eine passive Rolle in der Interaktion mit dem anderen Geschlecht einnehmen, sich die Tür aufhalten lassen, sich zum Essen einladen lassen sollen. "Aber diese Scheu müssen Sie überwinden, wenn Sie weiterkommen wollen", sagt Laud in Richtung anderer ehrgeiziger Finanzfrauen. (fp)