Der frühere Wirtschaftsweise Lars Feld vom Walter Eucken Institut in Freiburg warnt vor einer allzu expansiven Finanzpolitik, die auf die aktuellen Krisen mit immer neuen, gigantischen Hilfspaketen reagiert. "Der Staat kann die Härten der Energiepreisentwicklung für Haushalte und Unternehmen dort abmildern, wo diese nicht aus eigener Kraft aufgefangen werden können“, schreibt der Ökonom in einer Analyse für die Fondsgesellschaft Acatis. "Er kann aber nicht alle vor dem Wohlstandsverlust, der in der aktuellen Situation auf sie zukommt, bewahren."

Makroökonomisch betrachtet sei es während einer Inflation kontraproduktiv, wenn der Staat dort Geldmittel bereitstellt, wo sie nicht existentiell notwendig sind, betont Feld. Eine solche Politik treibe die Inflation nur weiter. Denn sie sorge dafür, "dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage hoch bleibt und das gesamtwirtschaftliche Angebot weiterhin übersteigt“. Feld plädiert stattdessen dafür, das Finanzierungsdefizit des Staates im kommenden Jahr drastisch zu reduzieren.

Illusionen in der Klima- und Energiepolitik
"Ausschlaggebend für die Schärfe der bevorstehenden Rezession" sei die Energiepolitik. Dabei stehe diese vor dem Dilemma, dass der Übergang zur Klimaneutralität nun anders organisiert werden müsse. "Bis zum März diesen Jahres setzten die Energiepolitiker auf Gas und wollten dem Atomausstieg möglichst rasch einen Kohleausstieg folgen lassen", so Feld. Der Ausbau der erneuerbaren Energien werde nicht so schnell vorankommen, dass an beiden Ausstiegen festgehalten werden könne. "Es wird daher Zeit, sich von Illusionen in der Klima- und Energiepolitik zu verabschieden", meint der Ökonom. (fp)