Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hat Ende der Vorwoche der Wiener KuCoin EU Exchange GmbH, einem Unternehmen mit chinesischen Wurzeln und einer langen Historie an Behördenproblemen, das Neugeschäft untersagt. Hinter dem Aus stehen mehrere denkwürdige Umstände.

Das Geschäftsverbot folgt nicht einmal drei Monate, nachdem die FMA der Kryptobörse Ende November 2025 eine Lizenz nach der jungen EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR) erteilt hat. Mit dieser kann ein Unternehmen als sogenannter Crypto Asset Service Provider (CASP) in allen EU-Ländern tätig sein.

Geldwäschebeauftragte nicht mehr besetzt
Erstaunlich ist zudem der Grund für die Maßnahme, denn offenbar scheitert KuCoin an einer eher einfacheren Auflage: Die Positionen der Anti-Geldwäschebeauftragten wurden nicht (mehr) ausreichend besetzt. Erforderlich wären laut FMA ein Geldwäsche- und ein Sanktionenbeauftragter jeweils samt Stellvertretung. Das Neugeschäftsverbot gilt, bis diese Schlüsselfunktionen mit geeigneten Personen besetzt sind, so die Behörde.

Die Schwierigkeiten bei KuCoin bestehen schon länger. Bereits Anfang Februar stellte das Unternehmen seine Handels- und Einzahlungsdienste ein. Vorübergehend – zur "Verbesserung der Systemstabilität", wie es auf der Homepage heißt. Auf eine Anfrage nannte das Kundenservice "keinen konkreten Zeitrahmen für die Aufhebung der vorübergehenden Sperrung".

Führungswechsel
In Reaktion auf das FMA-Neugeschäftsverbot veröffentlichte KuCoin am Freitagnachmittag (20.2.) eine Mitteilung, in der die Gründe für die Handelseinstellung weniger technisch klingen als auf der Homepage. Als Ursache für die Situation werden die "jüngsten Führungswechsel" angegeben. Diesen Jänner hatte Geschäftsführer Oliver Stauber nach nur rund einem Jahr im Amt das Unternehmen verlassen. Eine danach bestellte Geschäftsführerin war wenige Tage im Amt, bevor auch sie zurücktrat. Das Unternehmen ist nun auf der Suche nach Personal mit einschlägigem Regulatorik-, AML- und Sanktionenwissen.

Der Jurist Stauber, ehemals Führungskraft bei Bitpanda, hatte der KuCoin zur CASP-Lizenz in Wien verholfen und ist jüngst zur Plattform Bitget gewechselt, für die er offenbar denselben Plan verfolgen soll. Bitget hat kürzlich angekündigt, in Wien den europäischen Hauptsitz aufzubauen und hier die EU-weite Behördengenehmigung anzustreben.

Andrang aus Asien in Wien
Sowohl Bitget als auch KuCoin hatten in den vergangenen Jahren mit Behörden weltweit Probleme, weil sie ohne die nötige Erlaubnis in verschiedenen Märkten agierten. Zu Bitget häuften sich zahlreiche Behördenwarnungen wegen fehlender Lizenzen. KuCoin fasste in den USA hingegen etwa 2025 eine fast 300 Millionen Dollar schwere Geldbuße und ein zweijähriges Geschäftsverbot aus, in Kanada eine 19-Millionen-Dollar-Strafe.

KuCoin wurde in China gegründet (heute Sitz Seychellen), bei Bitget (ebenfalls Seychellen) gilt Singapur als Gründungsland mit chinesischem Einfluss im Management. Nach behördlichen Maßnahmen in Singapur wegen Transparenzbedenken gegen Kryptoanbieter muss Bitget, wie viele andere, Standortfragen lösen. Dazu gehört auch Bybit (Gründung Singapur, nun Dubai) – auch Bybit hat unlängst in Wien eine EU-weite CASP-Lizenz erhalten. Und wenn es um den Andrang aus Asien geht, ist ebenso die Amina Austria Bank zu erwähnen, die in Wien eine Kryptolizenz bekommen hat. Sie gehört zur Schweizer Kryptobank Amina (ehemals Seba Bank), die mit einer Tochter der chinesischen China Pacific Insurance kooperiert, was sich in der Besetzung des Managements ebenfalls bemerkbar macht.

Kryptohub
Dass mit Bitpanda in Österreich ein Kryptohub entstanden ist, auf dem sich Fachkräfte tummeln, dürfte ein Grund für den Zulauf in Wien sein, ebenso wie der in Asien attraktive Standort Wien. In den vergangenen Monaten hat sich aber zunehmend die Frage gestellt, ob die Häufung gut für den Finanzmarkt ist.

Dass es manche Börsen aus Asien in den vergangenen Jahren mit Lizenzfragen oft nicht so ernst genommen haben, zeigen die zahlreichen Behördensanktionen. Dazu kommt, dass für Außenstehende die Transparenz dieser Plattformen – etwa welche Personen und organisatorischen Einheiten dahinter stehen – eher gering ist. Mit dem vorläufigen Aus für die KuCoin hat die FMA ein erstes öffentlich sichtbares Signal gesetzt, dass sie es ernst meint mit ihrer Bekundung der Strenge bei den Kryptounternehmen. (eml)