Das Hamburger Beratungsunternehmen Distributed Ledger Consulting (DLC) hat – nach Eigenangaben weltweit erstmals – sämtliche Anbieter von Kryptoverwahrlösungen analysiert. Die Ergebnisse sind nicht nur interessant für seriöse traditionelle Finanzdienstleister, die solche Verwahrer zunehmend suchen, sondern auch für die Aufsichtsbehörden, wie die Ergebnisse zeigen.

Millionenverwalter ohne Geldwäschevorkehrungen
An der DLC-Studie haben 114 Kryptoverwahrer (Custodians) teilgenommen. Es wurden Firmeninfos genau so abgefragt, wie Sicherheits-Kriterien und Regulierungsstandards. Erstaunlich war, dass zwei der Anbieter keine Schritte für KYC (Know your Customer) oder AML (Anti Money Laundering) implementiert hatten. Dabei handelt es sich hier eigentlich um Standards, die die Kryptobranche mittlerweile genauso wie die Banken verpflichtend erfüllen muss – in Europa etwa durch die seit 2020 zwingende Anwendung der 5. Geldwäscherichtlinie.

Man könnte nun glauben, dass es sich bei denen, die keine KYC- oder AML-Abfragen machen, um kleine Anbieter handelt, die sich eben zwangsläufig auf dem breiten Feld tummeln. "Das ist nicht so. Einer davon verwahrt sogar 900 Millionen US-Dollar", sagt Sven Hildebrandt, Chef der DLC. "Eigentlich müssten die Aufsichtsbehörden die Studie herunterladen", sagt Hildebrandt auf die Frage, welche Erkenntnisse die Studie aufsichtsrechtlich zulässt.

Nur Technologieanbieter?
Zum anderen gaben etliche Anbieter, die für die Studie konsultiert wurden, an, keine Custodians zu sein, sondern nur Technologieprovider. "Dahinter steht natürlich, dass man sich der Regulierung entziehen möchte", sagt Hildebrandt.

Das Kriterium der Seriosität von Kryptoverwahrern ist ein zentrales. Immer mehr traditionelle Banken, Fondshäuser oder Vermögensverwalter sind auf der Suche nach Kooperationspartnern, um ihren Kunden eine Lösung für die Aufbewahrung von Kryptowährungen anzubieten. Das geht natürlich nur, wenn die Vorschriften eingehalten werden und die Bank damit nicht in den rechtlich grauen Raum abdriftet. Insbesondere ist im Private Banking seit Jahren die Nachfrage nach solchen Lösungen groß, weil Vermögende schlicht im Sinne der Diversifizierung – meist ohne Spekulation auf spontane Gewinne – einen Teil ihres Kapitals in virtuelle Assets investieren wollen.

Deutsche Banken können Kryptoassets anbieten
Abseits der Nachfrage räumt aber auch die Regulierung den Kryptowährungen immer mehr Raum ein. Beispiel Deutschland: Hier können Banken seit Beginn des Jahres 2020 ihren Kunden im Onlinebanking virtuelle Assets genau so rechtssicher anbieten wie Aktien, Anleihen oder Fonds – eine entsprechende Erlaubnis der Aufsicht vorausgesetzt.

Hintergrund ist die nationale Ausgestaltung der neuen EU-Geldwäscherichtlinie (je nach Zählung die vierte beziehungsweise fünfte). Ein zuerst vorgesehenes Trennungsgebot, wonach Kryptowährungen nicht im gleichen geschäftlichen Rahmen wie die gewöhnlichen Bankdienstleistungen hätten vertrieben werden können, wurde in der nationalen Gesetzgebung schlussendlich gekippt. Damit können Kryptowährungen und Fonds im gleichen Umfeld angeboten werden.

Reine Verwahrer in der Liste – Rating geplant
Die generierte Liste von DLC beschränke sich rein auf Anbieter, die sich in erster Linie als Verwahrstellen-Dienstleister bezeichnen. Zum Beispiel sind Riesen wie Bitpanda (Österreich) nicht dabei, die sich vorrangig als Börse definieren. "Wir haben das bewusst gemacht, um für die traditionelle Industrie jene herauszufiltern, die sich auf das Verwahrservice konzentrieren", so Hildebrandt. Unter den analysierten Unternehmen finden sich dafür bekannte Namen aus der Finanzbranche wie Bank Frick, Börse Stuttgart (beziehungsweise deren Tochter blocknox), Fidelity oder Vontobel.

Derzeit können herkömmliche Finanzdienstleister aus den DLC-Daten jene potenziellen Partner suchen, die von den Konditionen her am besten passen. Es sind Anbieter aus Nordamerika, Europa und Asien vertreten. Im Mai soll eine Folgestudie erscheinen, in der erstmals auch ein Rating Auskunft über die Qualität der Custodians gibt, erklärt Hildebrandt.

"Sehr hohe Aktivitäten auch in Deutschland und Österreich"
Bei Banken und Vermögensverwaltern gebe es "sehr hohe Aktivitäten", den Kauf von Kryptowährungen ins Geschäft zu integrieren, auch in Deutschland und Österreich, wenngleich wenige bereits fertige Lösungen am Markt haben. Man sehe an Beispielen aus anderen Ländern aber die Bewegung.

So habe der im S&P gelistete US-Finanzriese State Street eine Kooperation mit dem Kryptoverwahrer Gemini verkündet. "In Europa kann die BNP Paribas herausgegriffen werden, die sagt, sie will der größte Kryptoverwahrer Europas werden", so Hildebrandt. (eml)