Die Österreichische Nationalbank (OeNB) hat vergangene Woche erstmals – und als eine von wenigen Nationalbanken bisher – einen Klima-Stresstest präsentiert, der zeigt, dass die künftige Emissionsbepreisung an den Banken nicht spurlos vorübergehen wird. In einem moderaten Szanario, wo eine Tonne CO2 zwischen 30 und 130 Euro kostet, dürfte die harte Kernkapitalquote bis Ende 2025 um rund 0,7 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent sinken. In einem disruptiveren Setting – angenommen wird hier ein Preis von 130 bis 260 Euro je Tonne CO2 – soll es eine Verringerung der harten Kernkapitalquote um 2,7 Prozentpunkte auf 17 Prozent geben.

Die OeNB schätzt die Auswirkungen für die Banken als "beherrschbar" ein. Gleichzeitig dürften einige Banken stärker durch die Emissionsbepreisung betroffen sein: Ein disruptiver Übergang würde vor allem in den ausstoßintensiven Sektoren Landwirtschaft und Verkehr die Ausfallsquoten stark steigen lassen. Damit würden letztlich auch Banken mit hohem Engagement in diesen Sektoren in Mitleidenschaft gezogen, schreiben die OeNB-Experten in ihrem im November veröffentlichten Stabilitätsbericht.

Raiffeisensektor als Agrarfinanzierer
Es ist anzunehmen, dass die CO2-Preisentwicklung besonders am Raiffeisensektor genau beobachtet wird, der tief im ländlichen Bereich verankert ist. In der Landwirtschaft könnte die Zahl der notleidenden Kredite bis zum Jahr 2025 bei einem harten Übergang um fast 16 Prozentpunkte zulegen, schreiben die OeNB-Experten. Im Sektor Transport- und Lager könnte im schlimmsten Fall ein Plus von fast 13 Prozentpunkten zubuche stehen.  

Die von der Regierung kürzlich beschlossene CO2-Steuer sieht allerdings ein außerordentlich mildes Szenario vor: ab Juli 2022 wird einen Preis von nur 30 Euro je Tonne CO2 fällig. Bis 2025 soll der Wert auf 55 Euro steigen. Kritiker haben jedoch bereits moniert, dass damit die Klimaziele bis zum Jahr 2030 verfehlt werden und dass eine Nachschärfung nötig sein könnte. In Schweden, dem Land mit der höchsten europaweiten CO2-Bepreisung, kostet der Ausstoß einer Tonne des Treibhausgases derzeit rund 119 Euro. Die CO2-Bepreisung stellt eines der Mittel dar, um den Übergang in eine klimafreundlichere Wirtschaft zu schaffen. (eml)