Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bei Goldman Sachs hilft der Bank, zu wachsen, ohne den Personalbestand deutlich auszuweiten. Das sagte Präsident und Chief Operating Officer John Waldron am Dienstag (12.5.) in einem Interview mit "CNBC".

"Ich beschreibe Goldman Sachs oft als eine menschliche Montagelinie", erklärte Waldron. "Wenn man sich anschaut, was in der Fertigung passiert ist, dann ist sie viel robotischer und automatisierter geworden. Die Banken haben diese Entwicklung bei Weitem nicht im gleichen Maße durchlaufen."

KI übernimmt zunehmend Backoffice-Aufgaben
Zunehmend übernehmen Maschinen Backoffice-Aufgaben – sowohl bei Goldman Sachs als auch an der gesamten Wall Street. Führungskräfte verweisen dabei auf weitere Bereiche, in denen KI Effizienzgewinne ermöglichen und Wachstum fördern kann. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung Fragen nach möglichen Jobverlusten auf.

"Unsere menschlichen Montagelinien werden stärker digitalisiert, digitale Agenten werden unsere Roboter sein", sagte Waldron. "Ich bin mir nicht sicher, wie sich die Gesamtzahl der Beschäftigten dynamisch verändern wird, aber ich denke, das Unternehmen wird deutlich widerstandsfähiger und skalierbarer werden."

Waldron, der als Favorit für die Nachfolge von CEO David Solomon gilt, hat die Strategie "OneGS 3.0" gestartet. Sie zielt darauf ab, durch KI erzielte Effizienzgewinne umzusetzen. Profitieren sollen unter anderem Kunden-Onboarding, Kreditprozesse, regulatorische Berichterstattung und das Lieferantenmanagement, wie die Bank damals mitteilte.

Produktivität und Kosten im Fokus
Auf dem "RIA Professional Investor Forum" der Bank am Dienstag (12.5.) erklärte Waldron, der Erfolg des KI-Einsatzes werde anhand von Produktivitätssteigerungen, Kosteneinsparungen und vermiedenen Investitionen gemessen.

Wie sich KI konkret auf die Organisationsstruktur von Goldman Sachs auswirken wird, ist laut Waldron noch unklar. Einige Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Technologie insbesondere auf unteren Hierarchieebenen zu Stellenabbau führen könnte und damit die Basis der klassischen Unternehmenspyramide schlanker wird. "Wir wissen noch nicht, ob es am Ende eine Diamanten- oder eine Pyramidenform wird", sagte Waldron.

Breitere Auswirkungen erst ab 2027 erwartet
Mit Blick auf die Gesamtwirtschaft betonte Waldron, dass viele der aktuell gemeldeten Entlassungen noch nicht auf den Einsatz generativer KI zurückzuführen seien. Vielmehr bauten Unternehmen einen "Mitarbeiterüberhang" aus der Zeit nach der Covid-19-Pandemie ab. Einsparungen durch generative KI könnten sich seiner Einschätzung nach erst 2027 und 2028 breiter auf Organisationsstrukturen auswirken. (mb/Bloomberg)