Österreich soll zwar ein Kryptohub werden. Doch an einem wesentlichen Detail scheitert es oft: Neue Dienstleister, die eine österreichische Bank für das eigene Geschäftskonto oder für die Abwicklung ihrer Transaktionen suchen, werden in sehr vielen Fällen zurückgewiesen. Betroffen sind die Crypto Asset Service Provider (CASP) und die Zahlungsdienstleister, die nach dem Zahlungsdienstegesetz (ZaDiG) zum Beispiel den Transfer zwischen Kartenanbietern und Händlern abrechnen. 

Beschwerden darüber gibt es seit Jahren. Der Fachverband der Finanzdienstleister stellt sich in dieser Sache gerade auf die Füße. Philipp Bohrn, Leiter des Fachverbandsausschusses für Zahlungsdienstleister und CASP, kritisiert die Haltung der Banken.

Zwar sei es nötig, dass Banken die strengen Regeln für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bei jeder einzelnen Geschäftsbeziehung umsetzen und die neuen Anbieter genau geprüft werden. Die Ablehnung sei jedoch sehr breit und wirke eher generalistisch. Viele Banken würden sich wohl ganz grundsätzlich dagegen aussprechen, ohne den Antrag eines Anbieters näher zu beleuchten. Auch Wettbewerbsgedanken dürften da eine Rolle spielen, da diese Neo-Finanzdienstleister mitunter als Konkurrenten auftreten.

"Situation wird dem Standort Österreich nicht gerecht"
"Es ist schade, weil es viele neue Anbieter hindert, zeitnah ihr Geschäft mit den Kunden aufzubauen", so Bohrn. Natürlich sei es für Banken ein Aufwand, spezifische Angebote für dieses Segment aufzustellen. Aber auf einem vitalen Markt müsse es schlicht genügend Institute geben, die den Neo-Providern eine Auswahl bieten. "Die momentane Situation wird dem Standort Österreich als Kryptohub nicht gerecht. Es ist Zeit, dass die Banken sich damit beschäftigen und dieses Investment tätigen", sagte Bohrn.    

Er verweist darauf, dass es um beaufsichtigte Anbieter geht, die eine Konzession der FMA besitzen. Vor allem kleinere Unternehmen würden sich schwertun, so Bohrn, der gleichzeitig Geschäftsführer des Wiener Riesen Bitpanda ist. Sein Unternehmen habe seit Langem gute Beziehungen zu Banken und müsse sich mit diesen Problemen nicht mehr beschäftigen. Nicht etablierte Anbieter würden hier aber sehr oft auf unerwartete Barrieren bei den Banken stoßen. Es brauche mehr Awareness. 

Banken: Geldwäschebedenken
Bei der Sparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer geht man auf diese Argumente nicht ein. Geschäftsführerin Eva Landrichtinger verweist in einer Anfragebeantwortung auf die Geldwäschevorschriften und die mit einer Nichtbeachtung verbundenen Konsequenzen für die Banken. Eine Ablehnung erfolge "immer vor dem Hintergrund der einschlägigen gesetzlichen Vorgaben", so Landrichtinger. Zudem hänge "die Aufnahme eines Neukunden auch von dem jeweiligen Risikoappetit des einzelnen Instituts ab". Ob es Bemühungen für eine Besserung der Situation im Sinne des Standortes gibt, beantwortete sie nicht. 

Dem Vernehmen nach hat sich sogar die Finanzmarktaufsicht (FMA) bereits bei den Banken informiert. Darauf angesprochen sieht FMA-Vorstand Helmut Ettl jedoch keine Notwendigkeit, einzuschreiten. "Die CASP sind ein neues Phänomen, und die Banken wollen ihre Geschäfte nach besten Standards durchführen. Ein Konto zu bekommen, muss man sich erarbeiten. Man sieht daran, dass der Markt die Normen durchsetzt", so Ettl. Es liege an den neuen Marktteilnehmern, die Vorgaben so umzusetzen, dass die Banken in der Lage sind, die Geschäftsbeziehung aufzunehmen. Ettl verwies auf die Freiheit der Kontrahierung ("Vertragsfreiheit"). "Wir werden als FMA nicht eingreifen, wenn eine Bank sagt, wir machen das nicht." 

Erstmals Daten erhoben
Die FMA hat am vergangenen Dienstag (2.6.) erste strukturierte Daten über CASP in Österreich präsentiert. Derzeit verfügen acht Anbieter über eine aufrechte Zulassung der Aufsicht in Wien – neun hat die FMA bisher vergeben, wobei die Lizenz der Kucoin seit Monaten ruht. Diese im EU-Kryptorahmen MiCAR abgebildete Lizenz kann von den nationalen Aufsichten erst seit gut einem Jahr vergeben werden und gilt bei entsprechender Notifizierung auch in den anderen EU-Ländern.

Ende 2025 hatten die CASP mit Wiener Zulassung 6,7 Millionen registrierte Nutzer. Offenbar gibt es bei den Identifizierungen Luft nach oben: Rund 45 Prozent (drei Millionen) der Registrierten haben laut den FMA-Zahlen einen vollständig abgeschlossenen KYC-Prozess durchlaufen. Zu erwähnen ist, dass nur rund eine Million Nutzer im Jahr 2025 tatsächlich aktiv handelten.

Vermögen von 4,4 Milliarden Euro
Das verwaltete Krypto-Asset-Volumen österreichischer CASP lag Ende 2025 bei 4,4 Milliarden Euro, das Transaktionsvolumen bei 17 Milliarden Euro. EU-weit gibt es bereits rund 230 CASP-Lizenzen. 92 davon dürfen ihre Dienste über eine Notifizierung in Österreich anbieten. 

Ettls FMA-Co-Vorständin Mariana Kühnel befürwortete vor Journalisten am Dienstag (2.6.) die soeben laufenden Bemühungen der EU-Kommission, die großen CASP zentral durch die europäische Wertpapieraufsicht ESMA zu beaufsichtigen. Ein Ende 2025 von der EU-Kommission veröffentlichter Vorschlag für mehr Aufsichtskompetenzen in den Händen der ESMA liegt bei Rat und Parlament. Die EZB hat sich im April ebenfalls für eine zentralisiertere Aufsicht über die Kryptobranche ausgesprochen. (eml)