Während Sparer angesichts historisch niedriger Zinsen die Lust an der ­Kapitalanlage verlieren, erleben Kreditnehmer goldene Zeiten. Das billige Geld bewirkte einen Run auf Immobilien und somit auch auf Finanzierungen, von dem auch Kreditvermittler seit Jahren profitieren. Lag das jährliche Neukreditvolumen für Wohnbaufinanzierungen im Jahr 2009 noch bei 7,7 Milliarden Euro, so erreichte es 2018 einen Wert von 18,4 Milliarden Euro. Führende Kreditvermittlungsplattformen wie Infina, Creditnet und "schlau-finanziert“ befinden sich seit Jahren auf Wachstumskurs. Platzhirsch Infina verfügt mittlerweile über 60 Standorte in ganz Österreich, das vermittelte Kreditvolumen lag 2018 bei 507 Millionen Euro. Und laut Firmenchef Christoph Kirchmair zeichnet sich auch kein Ende des Booms ab, weshalb man weiter expandiert: "Österreichweit würden wir noch rund 30 neue Markenpartner aufnehmen, sodass wir insgesamt 100 Standorte betreiben."

Dabei setzen zunehmend auch Wertpapierfirmen und Versicherungspools auf das Know-how der Kreditspezialisten. Erst Ende des vergangenen Jahres konnte Infina eine Kooperation mit dem ­Finanzvertrieb Swiss Life Select abschließen. Bei Creditnet kooperiert man mit Finum Private Finance und bei schlau-finanziert konnte man den Versicherungspool Arisecur als Partner gewinnen. 

Allerdings sind nicht alle Marktteilnehmer vom Höhenflug der Finanzierungsplattformen begeistert. So möchte etwa das Bank Austria Finanzservice – es koordiniert und organisiert das Vertriebspartnergeschäft der UniCredit Bank Austria – auch in Zukunft möglichst ­direkten Kontakt zu den rund 2.700 Vertriebspartnern halten. BAF-Geschäftsführer Siegfried Prietl erklärt dazu: "Es ist unsere geschäftspolitische Entscheidung, nicht mit reinen Plattformen zusammenzuarbeiten. Die machen nichts anderes, als Kunden hereinzunehmen und dann Offerten bei zehn bis 20 Banken abzufragen. Das ist für mein Verständnis keine Partnerschaft. Wir haben gegen den Trend immer noch in jedem Bundesland Kollegen, die unsere Partner, also den klassischen gewerblichen Vermögensberater, vor Ort betreuen. Im Finanzierungsgeschäft haben wir zudem Teams vor Ort, die ausschließlich die Kreditanträge unserer Partner bearbeiten." 

Schnellere Abwicklung
Es ist vor allem seine Größe, die es dem BAF ermöglicht, auf die Ebene zwischen sich und dem Vertrieb zu verzichten. Zwar darf Prietl keine exakten Zahlen nennen, er verrät jedoch, dass sich das jährliche Neugeschäft im Bereich von deutlich über einer Milliarde Euro bewegt. Zudem bearbeitet man zwischen 12.000 und 15.000 Kreditanträgen pro Jahr. Um hier aber in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, muss auch das BAF weiter daran arbeiten, für Vertriebspartner attraktiv zu sein. "Es wurde überlegt, wie man die Partner in ihrer täglichen Arbeit besser unterstützen kann", erzählt Prietl.

Konkret ging es dabei vor allem da­rum, die Abwicklungsgeschwindigkeit mittels digitaler Unterstützung deutlich zu erhöhen. Die Immobilienbranche ist schließlich hart umkämpft, und wenn eine gute Immobilie auf den Markt kommt, ist sie oft binnen kürzester Zeit verkauft. Für den Kreditvermittler geht es daher darum, dem Kunden so schnell wie möglich eine Kreditzusage geben zu können, sonst könnte das Geschäft an ihm vorbei­gehen. „Wir stellten uns daher die ­Frage, wie schnell kann man dem Kunden sagen, dass er eine Bau- und Wohnfinanzierung bekommt und zu welchem Preis“, beschreibt der BAF-Chef.

Partner-App 
Die Lösung wurde in Gestalt einer neuen Beratungssoftware gefunden, die mittels Partner-App im März dieses Jahres zugänglich ­gemacht wurde. Prietl betont, dass man kein reines Einreich-Tool entwickelt habe: "Wir wollten den Partnern ermöglichen, dass sie ­ihren individuellen Geschäftsansatz beibehalten können. Es muss also nicht strikt bei der ersten Zeile angefangen werden, um sich dann bis zum hundertsten Datenfeld durchzuarbeiten. Es ist egal, ob man bei der Haushaltsrechnung oder bei der Aufnahme der persönlichen Daten anfängt.“ Neben dieser Flexibilität bei der Eingabe habe ein weiteres Ziel darin ­bestanden, den gesamten Prozess papierlos abwickeln zu können – sofern Partner dies wünschen. Dokumente können daher auch fotografiert oder gescannt und dann einfach in der App hinterlegt werden. Innerhalb des Programms wird auch eine Liegenschaftsbewertung durchgeführt.

Zusätzlich bietet die App auch ein Kundenportal an. "Der Berater kann dem Kunden dann einen Link senden, über den der Kunde Zugriff auf die App hat. Dann kann dieser auch selbst bereits Daten eintragen, was dem Berater einiges an Zeit spart. Alle Unterlagen oder Dokumente bis auf den Kreditvertrag selbst können zudem auf dem Smartphone oder dem Tablet bereits unterschrieben werden. Sind alle Daten in der Software hinterlegt, sieht der Berater bereits indikative Konditionen. Und wenn der Kunde mit diesen Konditionen einverstanden ist, drückt der Berater nur noch auf den Knopf und sendet alles an uns. Sollten davor Fragen auftreten, kann der Berater auch über die App direkt mittels Chat mit einem unserer Mitarbeiter Kontakt aufnehmen. Danach bekommt der ­Berater in maximal drei Tagen einen echte ­Finanzierungszu- oder absage."

App wird multibankenfähig
Damit beschreibt Prietl den aktuellen Ist-Zustand, mit dem man sich nicht zufriedengibt. Im vierten Quartal möchte die BAF nun nochmals einen Gang höher schalten und die App multibankenfähig machen. Berater sollen dann nach Eingabe aller Daten in Realzeit ­eine fixe Kreditzusage erhalten. "Sind alle Daten in der App hinterlegt, wird ohne dass die Daten bei uns von einem Mitarbeiter bearbeitet werden, bereits ein Rating beziehungsweise Scoring des Kreditantrags erstellt.

Ab Dezember kann der Berater dem Kunden dann in Realtime eine fixe Kreditzusage geben. Was dann noch fehlt, ist die Abfrage beim KSV, sollte also bei der Haushaltsrechnung geschummelt worden sein, wird dies erst bei der KSV-Abfrage ersichtlich." Das erklärte Ziel des BAF besteht darin, Beratern in Zukunft – sofern alle Unterlagen vorhanden sind – in 40 bis 45 Minuten die Kreditzusage zu ermöglichen.

Dass man sich damit von der Konkurrenz klar abheben würde, weiß auch Prietl: "Die durchschnittliche Durchlaufzeit liegt in Österreich derzeit im Bereich von ein bis zwei Wochen. Frühestens da erhält der Berater eine Reaktion von der Bank. Mit der App bekommt man künftig in Echtzeit ein Feedback, und danach brauchen wir ein bis zwei Tage. Das ist schon ein gewaltiger Vorteil für die Berater." (gp)


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