Die Schweizer Privatbank Julius Bär plant laut Insidern Kürzungen bei den Bonuszahlungen für Kundenberater – insbesondere dann, wenn deren Einnahmen aus risikobehafteten Geschäften stammen. Mit den Maßnahmen soll eine neue Vergütungskultur etabliert werden, die auf Nachhaltigkeit und langfristiges Wachstum ausgerichtet ist. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die genaue Höhe der Kürzungen soll dabei vom Geschäftsmodell sowie dem jeweiligen Marktumfeld abhängig sein. Die Vorschläge stehen laut einem der Informanten allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Finanzaufsicht.

Strategiewechsel unter neuer Führung
Hintergrund der geplanten Anpassungen ist ein Strategiewechsel, den CEO Stefan Bollinger und Verwaltungsratspräsident Noel Quinn derzeit umsetzen. Die beiden Topmanager sind angetreten, Julius Bär nach einer Serie von Rückschlägen wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Besonders belastend war das Engagement der Bank im insolventen Immobilienimperium von René Benko, das Verluste von rund 700 Millionen US-Dollar verursacht hatte.

Fokussierung auf nachhaltiges Wachstum
Bei einer Investorenveranstaltung in London im vergangenen Monat erläuterte CEO Bollinger die neue Ausrichtung. Ziel sei es, die Vergütung stärker an den langfristigen Interessen der Bank und ihrer Aktionäre auszurichten.

"Wir wollen den Relationship Managern Anreize bieten, sich vorrangig auf langfristiges, nachhaltiges Wachstum zu konzentrieren, und werden daher einen starken Fokus auf die Qualität der Netto-Neugelder legen", sagte Bollinger.

Ein Sprecher von Julius Bär betonte gegenüber "Bloomberg", dass das Grundprinzip der leistungsorientierten Bezahlung erhalten bleibe: "Die Änderungen werden das Wesentliche unseres Systems beibehalten, da wir leistungsorientiert bezahlen und die besten Talente gewinnen wollen."

Branche im Wandel
In der Branche der Vermögensverwalter sind Boni für Relationship Manager weit verbreitet. Meist sind sie direkt an das akquirierte Neugeld gekoppelt. Dieses Modell soll bei Julius Bär nun auf den Prüfstand – und künftig stärker auf qualitative als auf quantitative Ergebnisse ausgerichtet werden.

Die geplante Reform könnte Signalwirkung für andere Institute im Wealth-Management-Segment haben – besonders in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und langfristige Kundenbindung an Bedeutung gewinnen. (mb/Bloomberg)