Jamie Dimon reiht sich in die wachsende Zahl von Vorstandschefs ein, die die Vorteile kleiner Teams betonen. Im Gleichklang mit einer Welle von Anti-Bürokratie-Aussagen von Unternehmenslenkern wie Amazons Andy Jassy und HSBC-Chef Georges Elhedery widmete der CEO von JP Morgan Chase einen Teil seines jährlichen Aktionärsbriefs der Idee, große Unternehmen in sehr kleinen, handlungsfähigen Einheiten zu organisieren.

Wettbewerb entscheidet sich im Detail
Dimons Argumentation geht über die üblichen Begründungen wie Geschwindigkeit, Agilität oder flachere Hierarchien hinaus. Teams, die Innovation vorantreiben sollen, müssten bewusst klein gehalten werden, um den nötigen Fokus sicherzustellen.

"Die entscheidenden Wettbewerbsschlachten werden auf der Ebene der einzelnen Segmente ausgetragen", meint Dimon. "Es geht nicht nur um das Investmentbanking oder den Investmentbanking-Sektor im Gesundheitswesen; es kommt darauf an, das richtige Team zu haben, um in den Bereichen Pharma oder Medizinprodukte erfolgreich zu sein."

Bürokratie als Hindernis für Fokus
Ausufernde Bürokratie eigne sich naturgemäß nicht für diesen Grad an Fokussierung und müsse daher konsequent in Schach gehalten werden, so Dimon. Sein Vorschlag: kleine Teams, die sich vollständig einer klar definierten Aufgabe widmen.

"Oft möchte ein Managementteam etwas Neues umsetzen, etwa einen digitalen Kontoeröffnungsprozess, der nahezu alle Bereiche betrifft. Dann sagen alle: 'Wir kümmern uns darum' – was bedeutet, dass es einfach auf die ohnehin lange Aufgabenliste gesetzt wird", schreibt er. "Aber wenn etwas nur ein Prozent der Arbeit vieler Menschen ist, wird es nie fertig. Man braucht ein Team, das sich zu 100 Prozent der Aufgabe widmet – und alle anderen unterstützen es."

Zentrale Systeme als Rückgrat
Die Unterstützung dieser Teams erfolgt über zentrale Systeme wie Datenplattformen oder KI-Anwendungen. Diese Ressourcen müssten unternehmensweit verfügbar und leicht einsetzbar sein, auch wenn sie dadurch zwangsläufig größer ausfallen, so Dimon.

Wenn Einigkeit darüber bestehe, in welche Systeme investiert werden soll, seien diese "wiederverwendbar und hoch effizient". Das verringere das Risiko, dass sie zu einem weiteren Ausdruck bürokratischer Überdehnung werden. (mb/Bloomberg)