"Jahr der Banken": Wall Street feiert das nächste Bonusjahr
Hohe Marktvolatilität und die Rückkehr großer Deals treiben die Vergütungen an der Wall Street weiter nach oben. Vor allem Investmentbanker und Händler können laut einer neuen Prognose mit deutlichen Bonuszuwächsen rechnen.
Die Bonuszahlungen an der Wall Street sind bereits im dritten Jahr in Folge auf Wachstumskurs. Grund sind starke Handelsaktivitäten infolge hoher Marktvolatilität sowie eine wiederbelebte Deal-Tätigkeit.
Für Investmentbanker, die Unternehmen bei Transaktionen beraten, dürften die variablen Vergütungen laut Johnson Associates im Vergleich zum Vorjahr um zehn bis 20 Prozent oder mehr steigen. Auch Banker, die Firmen bei der Eigenkapitalbeschaffung unterstützen, können dem Bericht vom Donnerstag (7.5.) zufolge mit Zuwächsen von bis zu 20 Prozent oder mehr rechnen.
Grundlage ist ein starkes Jahr 2025, in dem sich Fusionen und Übernahmen erholt haben — begünstigt durch gelockerte Regulierung unter US-Präsident Donald Trump. Dieser Trend setzt sich fort: Die größten Banken meldeten für das erste Quartal 2026 ihre bislang profitabelsten Ergebnisse.
"Wettrennen zwischen Trading und M&A-Beratung"
"Es ist das Jahr der Banken", sagte Alan Johnson, Managing Director von Johnson Associates, in einem "Bloomberg"-Interview. "Es ist ein Wettrennen zwischen Trading und M&A-Beratung."
Hintergrund der neuen Prognosen sind Marktschwankungen infolge geopolitischer Entwicklungen – Dynamiken, die der Wall Street bislang geholfen haben, sich aber auch gegen sie wenden könnten. Dazu kommen Sorgen rund um künstliche Intelligenz und Private Credit.
Handelsabteilungen befinden sich seit der Rückkehr von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus in einer starken Phase. Seine politischen Entscheidungen haben Aktien, Zinsen und Rohstoffe stark schwanken lassen.
Händler mit kräftigen Bonuszuwächsen
Die Volatilität treibt die Nachfrage nach Handelsdienstleistungen und damit die Bonuszahlungen. Aktienhändler können laut Bericht mit einem Anstieg ihrer Jahresboni um zehn bis 15 Prozent rechnen, während im Rentenhandel Zuwächse von fünf bis zehn Prozent erwartet werden, so Johnson.

Da das Jahr noch am Anfang steht, bleiben die Prognosen unsicher. Offene Fragen betreffen den Krieg im Iran, die wirtschaftliche Entwicklung, Zollverhandlungen sowie den Kurs der Federal Reserve in Richtung niedrigerer Zinsen.
Risiken für Private Credit
Im Vermögensverwaltungsgeschäft könnte eine starke Nachfrage durch mögliche Marktverluste gebremst werden. Dennoch wird aktuell ein Bonusanstieg von rund fünf Prozent erwartet, getragen von soliden Mittelzuflüssen und intensivem Wettbewerb um Fachkräfte.
Im vergangenen Jahr sind die Bonuszahlungen an der Wall Street bereits deutlich gestiegen. Das Gesamtvolumen erreichte laut Schätzungen von Thomas DiNapoli, oberster Kassenprüfer des Bundesstaates New York, mit 49,2 Milliarden Dollar einen Rekordwert. Der durchschnittliche Jahresbonus legte um sechs Prozent auf 246.900 Dollar zu.
"Die Schwachen werden schrumpfen"
Trotz der positiven Aussichten bleiben Risiken bestehen. "Wir befinden uns mitten im Krieg. Das ist die größte Belastung", sagte Johnson. "Die Märkte gehen davon aus, dass sich die Lage nicht verschlechtert. Sollte das doch passieren, könnte das alles durcheinanderbringen."
Besonders betroffen von der Unsicherheit sind Bereiche wie alternative Investments. Mitarbeiter im Private-Credit-Segment könnten laut Johnson Associates stagnierende oder nur leicht steigende Boni von bis zu fünf Prozent sehen, da der Wettbewerb hoch ist und die Renditen unter Druck stehen.
"Es wird eine Bereinigung geben, bei der einige Unternehmen nicht gut abschneiden und die Kapitalbeschaffung zurückgeht", sagte Johnson. "Die Schwachen werden schrumpfen."
Stimmung bleibt vorerst optimistisch
Insgesamt dürfte der Großteil der Finanzbranche mit der bisherigen Entwicklung und deren Niederschlag in den Jahresendboni zufrieden sein, sofern die Deal-Pipeline und die Handelsaktivität stark bleiben.
"Es ist noch früh im Jahr", sagte Johnson, "aber die Stimmung ist wieder überraschend optimistisch – vorerst". (mb/Bloomberg)















