An der Wiener Börse starten mit 21. Jänner 2019 zwei neue Handelssegmente, in denen erfahrene Investoren mit kleineren und mittleren heimischen Betrieben vernetzt werden sollen: Die neuen Segmente "direct market plus" und "direct market" ersetzen die Kategorien "mid market" und "other securities". Hintergrund ist eine Änderung des Aktienrechts. Seit Jahresbeginn können österreichische Unternehmen, deren Aktien nicht über den amtlichen Handel, sondern über ein multilaterales Handelssystem ("Dritter Markt") angeboten werden, wieder anonym übertragbare Inhaberaktien ausgeben.

Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, bezeichnet die neuen Segmente als "idealen Startplatz" für KMU, um sich schrittweise am Kapitalmarkt weiterzuentwickeln. Auf der Investorenseite sollen mit dem Angebot "kundige und erfahrene" Personen angesprochen werden, "die die Chancen und Risiken richtig einzuordnen wissen".

Erste AM: "Werden das genau verfolgen"
Interessant ist das neue Angebot auch für die Portfoliomanager in den diversen Österreich-Fonds, wenngleich manche der darin befindlichen Aktien aufgrund der geringeren Liquidität eher ein Randaspekt bleiben dürften. "Wir sehen die Entwicklung an der Wiener Börse grundsätzlich positiv. Die Unternehmen in dem neuen Segment zählen für uns zum Investmentuniversum. Für uns ist ein Primärlisting und ausreichende Liquidität Voraussetzung für ein Investment. Wir werden das neue Segment daher genau verfolgen", so Bernhard Ruttenstorfer, Senior Fondsmanager Erste Asset Management, gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Der "direct market" bildet mit geringen Anforderungen die Basis. Im "direct market plus" müssen Unternehmen eine Mindestbestandsdauer von einem Jahr aufweisen, Jahresabschlüsse und Halbjahres-Zwischenberichte veröffentlichen, einen Unternehmenskalender führen und sich von einem Capital Market Coach begleiten lassen.

Wiederherstellung der Handelbarkeit
Seit Inkrafttreten des Gesellschaftsrechtsänderungsgesetzes 2011(GesRÄG 2011) dürfen österreichische Aktiengesellschaften, die nicht börsenotiert sind und die ihre Aktien im sogenannten Dritten Markt handeln, keine anonymen Inhaberaktien mehr ausgeben. Sie mussten auf Namensaktien umsteigen, die auf eine bestimmte Person ausgegeben werden.  Finanzminister Hartwig Löger begrüßte die Zulassung und Handelbarkeit von Inhaberaktien am Dritten Markt nach deutschem Vorbild. (eml)