In der Insider-Affäre um einen ehemaligen Fondsmanager von Union Investment hat am Mittwoch (22.9.) vor dem Landgericht Frankfurt am Main der Prozess begonnen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die Staatsanwaltschaft wirft dem Portfoliomanager sowie einem ehemaligen Angestellten einer Investmentbank Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz vor. Die beiden Männer sollen in insgesamt 55 Fällen über Insidergeschäfte rechtswidrig Gewinne in Höhe von mehr als elf Millionen Euro erzielt haben.

Der Manager, der bei Union Investment einen großen, milliardenschweren Publikumsfonds verantwortete, gab die Transaktionen auf Basis von bei der Arbeit erworbenen Informationen zu: Er habe sich "komplett überschätzt" und unter einer extrem hohen Stressbelastung gestanden, erklärte er laut der Zeitung. Auch der Mitangeklagte habe die in der umfangreichen Anklage vorgeworfenen Insidergeschäfte eingeräumt. Er hatte drei Monate in Untersuchungshaft gesessen und hatte schon ein Geständnis abgelegt. Beide Männer dürfte im Fall eines Urteils eine längere Haftstrafe erwarten. 

"Frontrunning"
Die Masche, mit dem Wissen von künftigen Kursbewegungen an der Börse zu profitieren, wird der FAZ zufolge als "Frontrunning" bezeichnet. Die Grundform des Insiderhandels ist in der Marktmissbrauchsverordnung definiert: Der Täter macht sich für seine Eigenaufträge Informationen zunutze, die er aus schon erteilten Kundenaufträgen erlangt hat, schreibt die Zeitung. Fondsmanager dürfen zwar privaten Wertpapierhandel betreiben, müssen sich diesen aber vorab von der Compliance-Abteilung genehmigen lassen. 

Der Skandal war Ende August 2020 bekannt geworden, nachdem die Finanzaufsicht Bafin Anzeige bei den Frankfurter Ermittlungsbehörden erstattet hatte. Die Geschäfte waren so auffällig, dass mehrere Institute die Transaktionen bei der Behörde Bafin anzeigten. Nachdem sie die Staatsanwaltschaft informiert hatte, durchsuchten die Ermittler dann Büroräume in der Union-Investment-Zentrale und private Räumlichkeiten des Beschuldigten. Zwischenzeitlich saß er auch in Untersuchungshaft. Union Investment hatte den betreffenden Mitarbeiter daraufhin freigestellt. (jb)