Gut zwei Drittel des Volumens der Staatsanleihen des Euroraums weisen mittlerweile Negativrenditen auf – und in Dänemark gibt es bereits Immobilienkredite mit Negativzinsen. "Zwar ist zu letzterem die rechtliche Situation in Österreich etwas anders gelagert, aber auch hierzulande ist man rein rechnerisch nur noch knapp vom negativen Terrain entfernt", stellen die Finanzierungsexperten von Infina in ihrer jüngsten Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden "Infina Kredit Index" (IKI), fest.

Das in der IKI-Aussendung vom 1. Juli angedeutete Szenario, dass Banken im dritten Quartal bei Fixzinskrediten mit ihren Konditionen nach unten nachziehen könnten, ist weitgehend eingetroffen. So entwickelte sich beispielsweise der Zehn-Jahres-Euribor-ICE-Swapsatz um 30,8 Basispunkte rückläufig, während sich der durchschnittliche Nominalzins für zehnjährige Fixzinsbindungen immerhin um 26,8 Basispunkte auf durchschnittlich 1,17 Prozent verringerte. Seit Anfang 2019 sank die durchschnittliche monatliche Rückzahlungsbelastung damit um mehr als 30 Euro.

Zinsen für Fixzinsbindungen nochmals gesunken
Die durchschnittlichen Zinsen für 15-jährige Fixzinsbindungen gingen sogar um 39,5 Basispunkte und somit fast exakt im gleichen Ausmaß wie der 15-Jahres-Euribor-ICE-Swapsatz zurück. Auch bei 20-jährigen Fixzinsbindungen gab es erhebliche Konditionsverbesserungen im Ausmaß von 42,9 Basispunkte auf 1,325 Prozent (Durchschnittswert der IKI-Stichprobe). Im Vergleich dazu fiel der 20-Jahres-Euribor-ICE-Swapsatz um 43,9 Punkte. Somit verbilligten sich zumindest die Konditionen für 15- und 20-jährige Fixzinsbindungen im Einklang mit den entsprechenden Swapsätzen.

Die Senkungen der Fixzinsen erstreckte sich quer durch das Bankenspektrum. Gleichzeitig wurde der Markt innerhalb der Stichprobe wieder etwas homogener. Der Unterschied zwischen günstigstem und teuerstem Kreditinstitut beträgt aktuell 0,5 Prozentpunkte Unterschied bei zehnjährigen Fixzinsbindungen und jeweils 0,4 respektive 0,375 Prozentpunkte bei 15- und 20-jährigen Zinsbindungen.

Mögliche Überraschung bei den Konditionen 
Eine gute Nachricht komme aus der EZB, meinen die Infina-Experten. Die künftige EZB-Präsidentin Christine Lagarde stehe für eine weiterhin expansive Geldpolitik und somit eine Fortsetzung des bisherigen Kurses. Zwischenzeitlich seien weitere Verbilligungen, vor allem bei zehnjährigen Fixzinsbindungen noch denkbar, wo Banken noch minimale Spielräume nach unten haben.

Auf der Seite der Bausparkassen kann es laut den Kreditexperten daher die eine oder andere Konditionsüberraschung geben. Aber auch neue günstige Angebote Richtung sehr langer Zinsbindungsdauer wie 25 oder 30 Jahre seien denkbar. Die Präsenz ausländischer Kreditinstitute am heimischen Kreditmarkt halte nämlich die Konditionen in Schach, zumindest in Bezug auf Kreditnehmer mit guter Bonität.

Basel IV wirft seine Schatten voraus
Für Privatkunden mit wenig Eigenmitteln, höherem Alter oder geringen Einkommen wird es laut Infina allerdings zunehmend schwieriger, eine Kreditzusage zu erhalten. Basel IV wirft hier seine Schatten bereits voraus, was konkret einen höheren Eigenmittelbedarf für Kreditinstitute bedeutet. Gleichzeitig stehen heimische Institute stärker auf dem Prüfstand der FMA, für die zu großzügige Rahmenbedingungen bei der Wohnkreditvergabe gegen die Interessen eines stabilen Bankensektors sprechen.

Doch wer in das jeweils gewünschte Kundenschema der Bank fällt, erfreut sich dann infolge des zunehmenden Wettbewerbs der Banken untereinander über weiterhin günstige Konditionen, die im Falle eines negativen Hauptrefinanzierungssatzes der EZB (derzeit noch 0%) nochmals günstiger werden könnten. (gp)