Der Rechnungshofausschuss im Parlament beschäftigte sich am Mittwoch (5. März) mit der Frage, wie viel die Mitarbeiter in den Unternehmen und Einrichtungen des Bundes verdienen. Ein Bericht des Rechnungshofes (RH) für die Periode 2017 bis 2018 liefert zwei deutliche Erkenntnisse: In den Finanz- und Versicherungsbeteiligungen des Bundes verdient man durchschnittlich am besten. Und zweitens: der Bund ist in Sachen Gendergleichheit nicht vorbildlich. Frauen in Vorstandsetagen und Aufsichtsräten verdienen auch bei den staatsnahen Betrieben signifikant weniger.

Weibliche Vorstände verdienen nur 79,4 Prozent der männlichen Kollegen
Die Einkommen der weiblichen Vorstandsmitglieder in Bundesunternehmen betrugen 2018 im Schnitt aller Branchen 180.285 Euro. Damit verdienten Frauen nur 79,4 Prozent der Durchschnittsbezüge ihrer männlichen Vorstandskollegen. Nicht wesentlich besser geht es Frauen, die in einem Aufsichtsrat sitzen. Dort erhalten sie 83,5 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Männer. Noch dazu ist das eine Verschlechterung zu 2016, wo das weibliche Aufsichtsratseinkommen bei 93,9 Prozent der männlichen Aufsichtsräte lag.

Dazu kommt, dass Frauen auch im staatlichen Umfeld in den Führungspositionen massiv unterrepräsentiert sind. Im Vorstand waren 2018 nur 21,6 Prozent der Mitglieder weiblich. Bei den Aufsichtsräten betrug der Frauenanteil 31,4 Prozent, wie Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker im Ausschuss zu bedenken gab. Erhoben wurden Daten von 1.754 Aufsichtsratsmitgliedern und 637 Vorständen und Geschäftsführern. Der RH selbst geht mit gutem Beispiel voran. Auf Ebene der Sektionsleitungen liegt die Quote bei exakt 50 Prozent.

Durchschnittseinkommen im Finanzbereich am besten
Was die generellen Einkommen betrifft, verdienen die 238.916 Beschäftigten in den 427 Unternehmen und Einrichtungen des Bundes im Durchschnitt 55.200 Euro. Am besten verdienen die Beschäftigten in der Sparte Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit einem Durchschnittseinkommen von 88.400 Euro.

Auf Leitungsebene sieht es allerdings ganz anders aus. Hier sind es nicht die Finanzexperten, die am meisten verdienen. Das meiste Geld erhalten nämlich die Vorstände in der Sparte "Verkehr und Lagerei" mit durchschnittlich 377.400 Euro. Darunter fallen unter anderem die Österreichische Post AG, Rail Cargo Austria AG, ÖBB-Infrastruktur AG, ÖBB-Personenverkehr AG und die ASFINAG. Die höchsten Vorstandseinkommen wurden 2018 mit 1.850.700 Euro bzw. 1.426.200 Euro bei der Post AG und bei der Verbund AG erzielt. Insgesamt, so RH-Präsidentin Kraker, lagen 2018 54 Personen in 22 staatsnahen Unternehmen mit ihrem Einkommen über dem Bezug des Bundeskanzlers. (eml)

Unter den 427 Unternehmen des Bundes befinden sich elf, die dem Bereich Finanz- und Versicherung zugerechnet werden:

Allgemeine Privatstiftung für berufliche Bildung
AWS – Austria Wirtschaftsservice GmbH
Burgenland Holding AG
Bundespensionskasse AG
Leopold Museum Privatstiftung
OeNB – Österreichische Nationalbank
Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung
Osttiroler Investment GmbH (Keine Entlohnung)
Post 108 Beteiligungs- und Dienstleistungs GmbH
Sozialversicherungspensionskasse AG
TU Wien Holding 

Service: Der Rechnungshof veröffentlicht alle zwei Jahre die durchschnittlichen Einkommen bei jenen Unternehmen und Einrichtungen des Bundes, die seiner Kontrolle unterliegen.