Ende 2019 waren die Fusionsgespräche zwischen S Immo AG und Immofinanz AG abgebrochen worden, richtig verstummt sind die Gerüchte nie. Nun macht Petrus-Advisers-Chef Klaus Umek öffentlich Druck. Eine Fusion mit S Immo würde die Kosten senken und die Finanzmarkt-Positionierung verbessern, sagte Umek im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Darin lastet er Immofinanz-Chef Ronny Pecik "Untätigkeit" und "offensichtliche Management-Inkompetenz" an. Petrus Advisers ist derzeit zu unter drei Prozent an Immofinanz beteiligt. Der Hedgefonds kauft und verkauft Anteile an S Immo je nach Einschätzung der Marktlage.

"Schlechte Unternehmensführung, Interessenkonflikte, Corona und Unternehmen mit Überkreuz-Beteiligungen haben eine Kaskade der Wertvernichtung ausgelöst", sagte Umek. Die Auswirkungen zeigten sich "sowohl bei S-Immo als auch, und noch verheerender, bei Immofinanz".

Kursverlust
Beide Unternehmen hatten nach Abbruch der Gespräche ein Zusammengehen prinzipiell als sinnvoll bezeichnet. Sie kündigten an, die Gespräche beim Abflauen der Pandemie möglicherweise wieder aufzunehmen. Im Zuge der Corona-Krise ging es für beide Unternehmen an der Börse drastisch abwärts. Die S-Immo-Aktie fiel um 37 Prozent, der Kurs von Immofinanz um 48 Prozent.

Pecik ist im Hinblick auf ein Fusionsvorhaben die Schlüsselperson. Sowohl an Immofinanz als auch an S Immo ist er mit rund zehn Prozent beteiligt. Zudem hat hat er als Immofinanz-Chef die Kontrolle über die 26,5 Prozent der S-Immo-Aktien, die das Unternehmen besitzt. Mit einem gegenwärtigen Barmittel-Bestand von mehr als einer Milliarde Euro könnte sich Immofinanz eine vollständige Übernahme von S Immo leisten.

Immofinanz erklärte, Pecik sei an Managemententscheidungen in Bezug auf das S-Immo-Aktienpaket nicht beteiligt. Pecik wollte sich nicht unmittelbar zur Erklärung von Petrus Advisers äußern.

Entmachtung der S-Immo-Führung
Umek fordert, dass Pecik seine Beteiligung an beiden Unternehmen reduzieren und stattdessen Ernst Vejdovszky, dem derzeitigen CEO von S Immo, "eine umfassendere Rolle" einräumen sollte. Der langgediente Immobilienmanager Vejdovszky war erst im Oktober gemeinsam mit weiteren Führungspersonen in einer viel beachteten Hauptversammlung quasi demontiert worden: Zum Eklat kam es, als mit Stimmen der Immofinanz die Aufhebung der Altersgrenze verweigert wurde, die Vejdovszky (68) aus Altersgründen ein Weitermachen untersagt. Er dürfte damit Ende Juni 2021 ausscheiden. Ebenso überraschend wurden die Mandate von Aufsichtsratschef Martin Simhandl, seinem Stellvertreter Franz Kerber so wie von Andrea Besenhofer nicht verlängert. (eml)