Am Anfang sah es nach einer besonnenen Lösung im Sinne der Investoren aus. Doch daraus wurde nichts, in den vergangenen Wochen ging es heftig zur Sache. Die Trennung zwischen der IFA AG und dem Finanzberater Wolfgang Stabauer endete in einem Streit, der bislang nicht geschlichtet ist. IFA-Vertriebsleister Christian Kirchmayer sagte zwar im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE, dass es "keine Spannungen, sondern eine sachliche und konstruktive Basis" zwischen den Parteien gebe. Stabauer sieht das aber anders: "Die IFA macht dem Vertrieb das Leben schwer."

Zum Hintergrund: Die IFA hatte die Vertriebsvereinbarung mit Stabauer, wie FONDS professionell ONLINE exklusiv berichtete, zum 31. März 2017 gekündigt. Bis zu diesem Stichtag musste geklärt werden, wie die Stabauer-Kunden, die bei der IFA investiert sind, weiter betreut werden. Diesbezüglich hat man grundsätzlich eine einvernehmliche Lösung gefunden. "Stabauer hat einen bestehenden Vertriebspartner vorgeschlagen, der seine Klienten übernimmt. Zwischen diesen beiden besteht ein Vertrauensverhältnis und deshalb ist das auch für uns eine gute Basis", berichtet Kirchmayer.

Streit über die Auskunftsregelung
Während darüber Einigkeit herrscht, wird über einen anderen Punkt, der juristisch knifflig sein könnte, gestritten. Stabauer will weiterhin automatisch über die IFA-Investments seiner Klienten informiert werden, weil sie ihn und nicht den neuen Betreuer mit Fragen konfrontieren würden. Das geht aber nicht, sagt die IFA: "Aus Datenschutzgründen kann Stabauer ohne Vertriebspartnermandat keine weiteren Informationen erhalten." Der Ex-Vertiebspartner sieht das anders und kündigt an, diese Frage juristisch klären zu lassen.

Stabauer verweist auf Nachfrage von FONDS professionell darauf, dass die Vertriebsverträge der IFA das Prozedere im Falle einer Kündigung nicht klären. "Im Vertriebsvertrag ist lediglich für das Neugeschäft geregelt, wer welche Rechte, Pflichten und Aufgaben hat. In diesem Vertrag steht nirgends, dass die IFA einen Datenschutzverstoß begeht, wenn sie weiterhin Informationen über den Verlauf der Investments liefert." Außerdem gelte der Vertrag explizit auch für die "Umsetzung des Investitionsvorhabens", wodurch klar sei, dass eine Beendigung der Auskunftserteilung nicht mit der Auflösung der Kooperation in Verbindung stehe.

Der Streit verunsichert Vertriebspartner und Anleger
Der IFA-Vertriebschef hält dagegen und betont, dass die Informationen sehr wohl zur Verfügung gestellt würden, wenn Stabauer von seinen Kunden jeweils eine Auskunftsvollmacht vorlegt. "Das ist gelebte Praxis – auch mit allen anderen Vertriebspartnern", so Kirchmayer. Der Berater hält dies trotzdem für keine gute Lösung. "Ich muss nun rund 1.000 Kunden anschreiben und die Vollmachten einholen. Natürlich führt das zu vielen Fragen und Diskussionen mit den Investoren", meint Stabauer. Er fürchte nicht den damit verbundenen Arbeitsaufwand, sondern die mögliche Verunsicherung der Kunden.

In Vertriebskreisen ist durch die Kündigung und die darauf folgende Auseinandersetzung bereits Unruhe entstanden. Die fehlenden Spielregeln im Falle der Kündigung des Vertriebsvertrags könnten noch einiges Kopfzerbrechen bei den bestehenden IFA-Partnern erzeugen. Die Diskussion wird auch vor dem Hintergrund geführt, dass alle Partner in ihren Verträgen exklusiv an die IFA gebunden sind. (ae)