Stuart Kirk, der Leiter der Abteilung für verantwortungsbewusstes Investieren bei HSBC Asset Management, hatte sich über "Übertreibungen" in Bezug auf die Umwelt beschwert. Er beklagte sich in einem 15-minütigen Vortrag auf einer Konferenz der "Financial Times" (FT), dass er immer wieder mit "irgendwelchen Spinnern zu tun hatte, die mir vom Ende der Welt erzählten". Mittlerweile wurde Kirk suspendiert, wie die FT unter Berufung auf informierte Kreise berichtete. Eine interne Untersuchung läuft. 

Angriff auf Ex-BoE-Gouverneur
Kirk nahm auch den ehemaligen Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, und andere Entscheidungsträger ins Visier, weil sie die Risiken des Klimawandels hochgespielt hätten. "Ich verstehe vollkommen, dass Sie am Ende Ihrer Zentralbankkarriere noch viele, viele Jahre zu überbrücken haben", sagte er. "Man muss etwas sagen, man muss um die Welt zu Konferenzen fliegen, man muss den anderen überbieten. Aber ich habe das Gefühl, dass es ein wenig aus dem Ruder läuft."

"Verhältnismäßigkeit ist völlig aus den Fugen geraten"
Nach Meinung von Kirk vernachlässigen Banken dringendere Probleme, um sich mit Klimarisiken zu befassen. "Ich arbeite bei einer Bank, die von Krypto angegriffen wird, wir haben Regulierungsbehörden in den USA, die versuchen, uns zu stoppen, wir haben das China-Problem, wir haben eine drohende Immobilienkrise, wir haben steigende Zinsen, wir haben eine kommende Inflation – und mir wird gesagt, ich solle mich immer wieder mit etwas beschäftigen, das erst in 20 oder 30 Jahren passieren wird", sagte er. "Die Verhältnismäßigkeit ist völlig aus den Fugen geraten."

Die Menschheit sollte sich darauf konzentrieren, sich an eine im Wandel befindliche Umwelt anzupassen, meint Kirk und verwies auf das Beispiel von Miami: "Wen kümmert es schon, wenn Miami in 100 Jahren sechs Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Amsterdam ist schon seit Ewigkeiten sechs Meter unter dem Meeresspiegel – und das ist ein wirklich schöner Ort. Wir werden damit klarkommen."

HSBC-AM-Chef widerspricht vehement
Nicolas Moreau, Chief Executive Officer der Vermögensverwaltungssparte von HSBC, gab eine Erklärung ab, in der er Kirks Rede zurückwies. Die Äußerungen "spiegeln in keiner Weise die Ansichten von HSBC Asset Management oder der HSBC-Gruppe wider", sagte er. "HSBC betrachtet den Klimawandel als eine der ernsthaftesten Bedrohungen, mit denen unser Planet konfrontiert ist – und setzt sich dafür ein, ihre Kunden beim Übergang zu einer nachhaltigen Zukunft zu unterstützen." (mb/Bloomberg)