Hunderte Banker aus der Londoner City dachten sich offenbar: "Home is where the heart is." Als sie wegen der Corona-Krise ins Homeoffice geschickt wurden, arbeiteten sie nicht vom heimischen Schreibtisch aus, sondern teils mehrere Tausend Kilometer von ihrer Wohnadresse entfernt. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet, gingen einige ausländische Banker zurück zu ihren Familien. Andere zogen sich in Ferienhäuser zurück und klappten dort den Laptop auf.

Mitten in einer Pandemie bei seiner Liebsten zu sein – oder zumindest an einem lauschigen Plätzchen in der Natur – klingt eigentlich nach einer guten Idee. Die Londoner Banken waren über die Reiselust ihrer Angestellten allerdings not amused. Das Problem: Homeoffice im Ausland kann eine zusätzliche Steuerrechnung nach sich ziehen. Wer zu lange in einem fremden Land arbeitet, kann dort nämlich steuerpflichtig werden. Das kommt unter Umständen nicht nur den Arbeitnehmer teuer zu stehen, sondern auch den Arbeitgeber.

Banken starten Rückholaktionen
Zu den Wandervögeln gehörten unter anderem Mitarbeiter der Citigroup. "Wir fordern die Leute auf, zurückzukommen", zitiert die "Financial Times" einen Sprecher des Instituts. Offenbar hatte sich bei der Citigroup ein recht großer Teil der Angestellten ins Ausland abgesetzt, statt sich an den heimischen Schreibtisch zu begeben. Unter den Mitarbeitern der Deutschen Bank hat laut der FAZ nur "eine niedrige dreistellige Zahl zu Beginn der Krise" nicht wie angewiesen von zu Hause aus gearbeitet. Es geht um weniger als 500 Arbeitnehmer, die inzwischen fast alle nach London zurückgekehrt sind. 

Um weitere Auslands-Eskapaden der Belegschaft zu vermeiden, haben manche Geldhäuser drastische Maßnahmen ergriffen. So hat etwa die Credit Suisse ein Tracking-System eingeführt, das anzeigt, von welchem Ort auf der Welt aus sich ein Mitarbeiter ins hauseigene Computersystem einloggt. (fp)