Beim Thema "Homeoffice-Regeln" gehen große Geldhäuser unterschiedliche Wege. Die Deutsche Bank will beispielsweise ihren Mitarbeitern auch zukünftig erlauben, bis zu drei Tage pro Woche von daheim aus zu arbeiten. Mit dieser Regelung böte das Institut deutlich mehr Flexibilität als viele ihrer Wettbewerber an der Wall Street, berichtet "Bloomberg".

Finanzvorstand James von Moltke sagte in einem Interview mit Bloomberg TV, man strebe ein hybrides Arbeitsmodell mit mehr Flexibilität für die Mitarbeiter an. Die Heimarbeitsquote dürfte auf eine Spanne von 40 bis 60 Prozent hinauslaufen. “Die Mitarbeiter dürfen das selbst entscheiden, jedoch innerhalb eines strukturierten Prozesses mit den Vorgesetzten, damit wir wissen, wann unsere Leute im Büro sind”, so von Moltke.Schon zuvor hatte er gesagt, die Belegschaft nach der Pandemie einfach wieder ins Büro zurück zu zitieren, sei eine “vergeudete Chance.” Die Asset-Management-Tochter DWS hatte im März bekannt gemacht, dass sie die Bürofläche pro Mitarbeiter in Deutschland um 30 Prozent reduzieren werde.

Europäische Branchenvertreter wie HSBC Holdings und die UBS Group reduzieren ebenfalls  bereits fleißig ihre Büroflächen, um der Belegschaft eine bessere Balance zwischen Arbeit und Familie zu ermöglichen und um Kosten zu sparen. Noch eine Schritt weiter geht man bei der ING Deutschland: Mitarbeiter der niederländisch-stämmigen Bank müssen nach dem Ende der Viruskrise nicht zwangsläufig zurück ins Büro. Im Gegenteil: Ihr Arbeitgeber will zahlt ihnen sogar freiwillige Zuschüsse für die Heimarbeitsausrüstung.

Das "Normal Office" wartet...
In den USA weht der Wind hingegen deutlich rauer: JPMorgan-Chef Jamie Dimon will ab Juli alle Mitarbeiter zurück an ihren herkömmlichen Arbeitsplatz beordern, wenn auch zunächst auf einer Rotationsbasis. Damit ist JPMorgan Chase & Co. laut Bloomberg die erste große US-Bank, die eine Rückkehr ins Büro für seine gesamte US-Belegschaft vorschreibt. Den Mitarbeitern wurde mitgeteilt, dass sie in etwa zwei Monaten ihren Dienst wieder physisch anzutreten haben. In einer entsprechenden Mitteilung der Geschäftsleitung hieß es, es werde “voll und ganz erwartet”, dass ab Anfang Juli alle in den USA ansässigen Mitarbeiter an ihre Schreibtische zurückkehren.

Dimon selbst ist seit einigen Wochen wieder täglich in der Zentrale in Manhattan anzutreffen und sagte bereits im vergangenen September, längere Homeoffice-Perioden würden nach seiner Überzeugung wirtschaftlichen und sozialen Schaden anrichten. David Solomon, Dimons Amtskollege bei Goldman Sachs, bezeichnete das Fernbleiben vom Büro eine “Abweichung”, die so schnell wie möglich korrigiert werden muss.

...doch das Homeoffice ist nicht totzukriegen
Während JPMorgan die Mitarbeiter “ausdrücklich ermutigt”, sich impfen zu lassen, ist das derzeit keine Voraussetzung, ins Büro zurückzukehren. Die Citigroup wird ab Juli Mitarbeiter ins Büro zurückholen. Wells Fargo & Co. hofft auf ein “normaleres Betriebsmodell” ab September. 

Dennoch wird auch bei JPMorgan das Homeoffice die Pandemie überdauern. Anfang des Monats sagte Dimon, er erwarte, dass der künftige Bedarf an Büroflächen deutlich kleiner ausfallen dürfte, da zukünftig nur etwa 60 Büroarbeitsplätze pro 100 Mitarbeiter benötigt würden. (aa/ps)