Auf der ganzen Welt haben Chefs ihre Mitarbeiter zur Gefahrenabwehr ins Home Office geschickt. Auch viele Fondsmanager, Analysten und Banker gehen nun am heimischen Schreibtisch ihrer Arbeit nach. Investmentgesellschaften und Banken haben sich rasch auf die neue Normalität in der Corona-Krise eingestellt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg: Morgan Stanley veranstaltet eine virtuelle Konferenz für mehr als tausend Teilnehmer, Hongkonger Banker ziehen Aktiengeschäfte per Videochat an Land, und die Führungsebene der UBS stellt zur eigenen Überraschung fest, dass es auch ohne persönliche Kundenbesuche geht.

Die rasant wachsende Erfahrung mit digitalen Heimarbeits-Technologien und die um sich greifende Erkenntnis, dass Home Office gerade im Finanzsektor sehr gut machbar ist, könnten das Arbeiten in der Branche nachhaltig beeinflussen. "Es wird eine Veränderung geben, das steht außer Frage", zitiert Bloomberg Gokul Laroia, Co-Chef für den asiatisch-pazifischen Raum bei Morgan Stanley. Er geht nicht davon aus, nach dem Ende der Krise sämtliche Mitarbeiter wieder im Büro anzutreffen: "Ich weiß nicht, ob wir vollständig dahin zurückkehren werden, wo wir waren. Ich denke, wir werden irgendwo in der Mitte landen."

Digital geht’s schneller
Die Geschwindigkeit, mit der sich die Finanzbranche auf die sozialen Einschränkungen in der Corona-Pandemie eingestellt hat, ist beachtlich. Manch einer entdeckt nun nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Vorteile einer volldigitalen Arbeitsweise. "Mit der heutigen Technologie können Sie schneller als je zuvor mit einem Kunden interagieren. Das könnte ein Modell für die Zukunft sein, selbst wenn diese Situation gelöst ist", sagt Jan Metzger, Leiter Bankwesen, Kapitalmärkte und Beratung im asiatisch-pazifischen Raum bei der Citigroup.

Sogar Neueinstellungen werden derzeit virtuell vorgenommen, berichtet Wall-Street-Headhunterin Ilana Weinstein bei Bloomberg. Das Verfahren sei so effizient, dass es künftig häufiger zum Einsatz kommen könnte. Dennoch bleibe das persönliche Treffen, wenn es denn möglich ist, die bevorzugte Variante. (fp)