Der skandalgeplagte Schweizer Vermögensverwalter GAM hat noch immer mit Mittelabflüssen zu kämpfen. Nun drängt ein Hedgefonds das Management, die Sparmaßnahmen auszuweiten und sogar eine Aufspaltung der Aktivitäten zu erwägen. In einem der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegenden Schreiben an den GAM-Verwaltungsratpräsidenten David Jacob fordert Bluebell Capital Partners eine grundlegende Überprüfung der Unternehmensstrategie. GAM solle sich auf die Sanierung der Vermögensverwaltung konzentrieren und für den Bereich Private Labeling die Optionen ausloten – zu denen auch ein Verkauf zählt.

Skandal unnötig öffentlich gemacht
Bluebell kritisiert vor allem den Umgang des Verwaltungsrats mit dem "Haywood"-Skandal und fordert das Gremium auf, die personelle Erneuerung voranzutreiben. “Die GAM-Aktionäre zahlen einen hohen Preis für etwas, was zunehmend als Fehlreaktion auf einen Sturm im Wasserglas erscheint”, schreibt Bluebell-Mitbegründer Giuseppe Bivona in dem Brief an die GAM-Führungsetage. Bivona bestätigte den Inhalt des Schreibens. Ein Sprecher von GAM lehnte gegenüber Bloomberg allerdings einen Kommentar zu Aktionärs-Interaktionen ab.

Mit dem Engagement von Bluebell steigt der Druck auf GAM-Chef Peter Sanderson, der gerüchtehalber bereits den Abbau von mehr als 40 Prozent der Arbeitsplätze erwägt. Pläne des Vermögensverwalters, sich selbst zum Verkauf zu stellen, waren gescheitert.

Bluebell ist laut Bloomberg mit einem verwalteten Kapital von etwa 50 Millionen Euro zwar zu klein, um aus eigener Kraft Veränderungen zu erzwingen. Die Gründer wollen jedoch mit anderen Aktivisten kooperieren, mit denen sie schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben. In diesem Jahr hat bereits die ebenfalls aktivistische Krupa Global Investments einen Anteil in GAM aufgebaut. (aa)