Die Investmentboutique H2O hat den buchhalterischen Wertansatz von einigen vor der Liquidation stehenden Fonds um bis zu 44 Prozent abwärts korrigiert. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung "Financial Times" (FT) und beruft sich dabei auf ein Schreiben an die Fondsanteilseigner. Demnach begründet der französische Asset Manager die notwendige Wertberichtigung unter anderem mit "ausbleibenden Rückzahlungen" aus einer Anleihe der Investmentholding des deutschen Finanziers Lars Windhorst.

Die vom einstigen Starmanager Bruno Crastes gegründete Boutique H2O hatte im August 2020 auf Geheiß der französischen Finanzaufsicht einige Fonds zeitweise schließen müssen. Die Portfolios wurden in liquide und illiquide Tranchen aufgeteilt. Die veräußerbaren Teile sind wieder geöffnet, die illiquiden Portfolios, die sogenannten "Side-Pockets", sollen hingegen abgewickelt werden. In diesen "Seitentaschen" liegen auch besagte Windhorst-Papiere.

In einer Anleihe gebündelt
Crastes und Co. hatten im großen Stil in wenig liquide Bonds investiert, die dem Umfeld von Windhorsts Tennor-Holding zuzurechnen sind. Als das Engagement bekannt wurde, zogen Anleger Milliarden ab. Nach den Turbulenzen durch den Corona-Crash gerieten einige Fonds wieder in Bedrängnis, was zu der erwähnten Aufteilung führte. Im Zuge der Abwicklung vereinbarten Tennor und H2O im Mai 2021, die Verbindlichkeiten der verschiedenen Windhorst-Unternehmen in einer einzigen Anleihe zu bündeln. Diese hätte im Frühjahr 2022 zurückgezahlt werden sollen. Dies wäre ein wichtiger Schritt für die Auflösung der "Seitentaschen" gewesen.

Doch das Prozedere wackelt wohl: Der "FT" zufolge verweist H2O in dem Schreiben an die Fondsinvestoren auf die jüngst ergangene Entscheidung eines Amsterdamer Gerichts. Die niederländischen Richter hatten einen von einer vorigen Instanz gefällten Insolvenz-Beschluss gegen Windhorsts Tennor Holding zurückgenommen. Der Grund für die Annullierung der Insolvenz: Tennor hatte ein Stillhalteabkommen mit wichtigen Gläubigern aushandeln können.

Stillhalteabkommen bremst Rückzahlung aus
Dieses Abkommen sieht vor, dass die Geldgeber sechs Monate lang keine Rückzahlung erhalten. Das Abkommen verschafft Windhorst Tennor Holding zwar Zeit, führt aber nun offenbar dazu, dass auch die H2O-Fonds selbst vorerst kein Geld erhalten und die Boutique den angesetzten Wert der "Seitentaschen" so weiter reduzieren muss. Der Wert der Fondsanteile kann aber wieder steigen, wenn das Geld fließt.

Unter den H2O-Fondseignern regt sich gleichwohl Unmut. "Wenn die Schulden vorrangig besichert und garantiert sind, wie von H2O behauptet, verstehe ich nicht, warum sie auf ihre Rechte verzichten und einem sechsmonatigen Stillhalteabkommen zustimmen sollten", sagt Dominique Stucki, der Anwalt der Investorenvereinigung "Collectif Porteurs H2O", gegenüber der "FT". Die Gruppe hatte sich einst formiert, um die Hintergründe und mögliche Entschädigungen des H2O-Dramas auszuloten.

Die Tennor Holding betont gegenüber der Zeitung hingegen, sie habe an alle Geldgeber inklusive H2O "substanzielle Rückzahlungen" geleistet. "Tennor wird seinen normalen Geschäftsbetrieb fortsetzen und plant, seine Schulden in den kommenden Wochen und Monaten pünktlich und regelmäßig zu tilgen." H2O wollte sich auf Anfrage von FONDS professionell nicht öffentlich zu den Vorgängen äußern. (ert)