In Zeiten der Krise tendieren Menschen meist dazu, Risiken eher zu vermeiden. Das gilt in der Regel auch für den Arbeitsmarkt. So hatten beispielsweise während der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 nur wenige Arbeitnehmer freiwillig ihre Jobs aufgegeben. Umso verwunderlicher erscheint da das Phänomen der "Great Resignation", das sich zurzeit im angelsächsischen Raum beobachten lässt. In den USA kündigten allein zwischen Juli und November 2021 mehr als 21 Millionen Beschäftigte, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet. Auch Großbritannien ist von der Kündigungswelle erfasst. Dort ist im dritten Quartal des vergangenen Jahres die Zahl der Stellenwechsel, die nicht auf Entlassungen zurückzuführen sind, auf den höchsten Stand seit zwanzig Jahren gestiegen, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ).

Im Vorjahr, zu Beginn des Pandemieausbruchs, hatten vor allem in den USA viele Menschen ihre Jobs konjunkturbedingt verloren. Naheliegend wäre da, dass sich Beschäftige nun besonders an ihre erhaltenen Stellen klammern. Dass das offenbar nicht der Fall ist, erklären Experten teils mit der Sinnfrage, die sich während der Krise viele neu gestellt haben: "Die pandemiebedingte Abweichung von gewohnten Arbeitsweisen hat dazu geführt, dass Arbeitnehmer mehr über ihre Arbeitsbedingungen nachgedacht haben und ob sie wie bisher weiterarbeiten wollen", zitiert die FAZ den Arbeitspsychologen Hannes Zacher. Auch der sogenannte Basiseffekt könnte eine Rolle spielen: So wollten womöglich schon 2020 viele Leute die Stelle kündigen, trauten sich aufgrund des Wirtschaftseinbruchs aber nicht. Entsprechend kam es 2021 zu einem Nachholeffekt.

Kontinentaleuropa (noch) kaum betroffen
Auf dem europäischen Festland ist der "Big Quit" noch längst nicht in einem solchen Ausmaß festzustellen. Bislang lagen die Kündigungszahlen hierzulande im Durchschnitt. Allerdings haben sich insbesondere im Sommer 2020 die Beschäftigungszahlen gut entwickelt. Und wer bessere Chancen sieht, einen neuen Job zu finden, wird zur Kündigung wahrscheinlich eher bereit sein. (fp)