Die Briten sind seit Jahresbeginn ganz offiziell kein EU-Mitglied mehr. Dabei ist London seit vielen Jahren das dominierende Finanzzentrum Europas. Doch der Brexit hinterlässt Spuren: Laut einer Studie der Londoner Denkfabrik New Financial haben inzwischen mehr als 440 Unternehmen aus dem Banken- Versicherungs- und Asset-Mananegment-Gewerbe ihre Aktivitäten aus Großbritannien in die EU verlagert. Insgesamt 135 Firmen sind in die irische Hauptstadt Dublin gezogen, 115 von ihnen haben den neuen Standort auch gleich zur EU-Zentrale gemacht, berichtet das "Handelsblatt". Außerdem beliebt bei den "Brexit-Flüchtlingen" sind Paris, Luxemburg, Frankfurt und Amsterdam. Insgesamt vier Fünftel der Standortwechsel verteilen sich auf diese fünf Städte. 

"Langfristig erwarten wir, dass Frankfurt der Gewinner bei den Vermögenswerten sein wird und Paris bei den Arbeitsplätzen", heißt es laut "Handelsblatt" in der Studie. Allein die Banken hätten mehr als 900 Milliarden Pfund an Vermögenswerten verlagert. Das entspreche zehn Prozent des gesamten britischen Bankensystems. Zusätzlich hätten Vermögensverwalter und Versicherer mindestens hundert Milliarden Pfund verschoben. Die kapitalstarken Banken konzentrieren sich demnach auf Frankfurt, Handelsplattformen ziehen vor allem nach Amsterdam und die Vermögensverwalter schlagen in Dublin und Luxemburg ihre Zelte auf. In Paris sei es eine bunte Mischung. 

Da geht noch mehr 
Und das ist nur der Anfang. "Da die EU eine härtere Linie zur Ansiedlung von Aktivitäten und Personen einnimmt, erwarten wir, dass die Zahlen steigen werden", heißt es in der Studie. "Wir stehen erst am Beginn des Brexits." Bei den Schätzungen der Studienautoren handele es sich außerdem nur um öffentlich verfügbare Angaben. In Wirklichkeit sei die Summe der Unternehmen, die ihren Standort verlagern, vermutlich deutlich höher. (fp)