Goldrausch am Jobsektor: Banken und Fonds suchen Edelmetallhändler
Der Boom im Edelmetallhandel hat einen massiven Wettbewerb um Fachkräfte ausgelöst. Banken, Hedgefonds und Handelshäuser suchen händeringend nach Goldhändlern – und treiben die Gehälter auf neue Rekordhöhen.
Ein Goldrausch ganz anderer Art: Handelshäuser, Hedgefonds und Banken suchen derzeit dringend nach Spezialisten für den Edelmetallhandel. Das starke Interesse an Gold hat einen Wettlauf um Talente ausgelöst – und sorgt in einem einstigen Nischenmarkt für deutlich steigende Gehälter.
Die großen Rohstoffhändler Trafigura und Gunvor haben in diesem Jahr Teams von Edelmetallhändlern aufgebaut. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen suchen auch IXM und Mercuria Energy gezielt nach Fachkräften in diesem Segment. Zudem wollen zahlreiche Hedgefonds, Banken und Industrieunternehmen – etwa Raffinerien – in das Edelmetallgeschäft einsteigen oder ihre bestehenden Teams erweitern, berichten Headhunter und Brancheninsider.
Markt mit begrenztem Talentpool
Obwohl im Goldhandel wöchentlich Transaktionen im Wert von Hunderten Milliarden US-Dollar abgewickelt werden – vor allem im Zentrum London –, war das Geschäft traditionell die Domäne einiger weniger Banken wie JP Morgan, HSBC und UBS. Diese arbeiteten bislang mit schlanken Teams.
Doch da die Preise in diesem Jahr stark gestiegen sind, drängen neue Marktteilnehmer in den Handel – und stoßen auf einen engen Kreis erfahrener Fachkräfte. "Edelmetallhändler erleben gerade eine kleine Sternstunde", sagte Alex Kerr, Rohstoff-Headhunter bei der Aurex Group. "Es sind nicht mehr nur Banken – Hedgefonds und Handelshäuser suchen alle nach Edelmetallhändlern oder Portfoliomanagern."
Fachkräftemangel im Fokus
Der Kampf um Talente war eines der beherrschenden Themen auf der LBMA-Konferenz (London Bullion Market Association), der größten jährlichen Zusammenkunft der Edelmetallbranche, die am Wochenende im japanischen Kyoto begann.
"Edelmetalle galten viele Jahre lang als eher randständig", sagte Ruth Crowell, Geschäftsführerin der LBMA. "Aber angesichts des Wachstums – nicht nur beim Handel, sondern auch beim Kundeninteresse und der Marktteilnahme – gibt es jetzt eindeutig ein Mainstream-Gefühl und vielleicht ein neues Kapitel."
Goldhandel erlebt Renaissance
Neben den steigenden Preisen boten die Edelmetallmärkte in diesem Jahr eine Reihe von Gewinnchancen – von einem massiven Arbitragegeschäft, das zu Jahresbeginn Edelmetalle im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar in die USA zog, bis hin zum spektakulären "Silver Squeeze", der im Oktober den Londoner Markt bewegte.
Laut Daten von Crisil Coalition Greenwich erzielten die zwölf führenden Banken im ersten Quartal 2025 mit Edelmetallgeschäften 500 Millionen Dollar Ertrag – der zweithöchste Wert in zehn Jahren und etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt der vergangenen Dekade.
Nachwuchsmangel bremst die Branche
Die jahrelange Vernachlässigung des Edelmetallsegments in den Handelsabteilungen vieler Banken hat jedoch zu einem Mangel an Nachwuchskräften geführt. Es fehlen Händler und Verkäufer, die sowohl die makroökonomischen Zusammenhänge hinter den Preisen verstehen als auch die praktischen Abläufe von Lagerung und Transport beherrschen.
"Das Talentangebot ist so klein, dass es ein sehr enger Markt ist", sagte Nicholas Snoek von der auf Rohstoffe spezialisierten Personalberatung HC Group. "Vor allem physische Edelmetallhändler sind rar, weil viele erfahrene Kräfte in den Ruhestand gegangen sind und Hochschulabsolventen sich heute stärker für Tech-Rollen interessieren."
Hedgefonds zahlen Spitzengehälter
Händler, die früher nur zwischen einigen wenigen Banken wählen konnten, werden inzwischen von Handelshäusern und Hedgefonds umworben – oft mit deutlich höheren Gehältern.
Goldhändler in Kassahandelsfirmen können heute Boni erhalten, die zwei bis drei Mal so hoch sind wie bei Banken, so Kerr von Aurex. "Es ist eines der ersten Male, dass Edelmetallhändler tatsächlich so bezahlt werden wie andere Rohstoffhändler." (mb/Bloomberg)














