Am Dienstag begann am Wiener Straflandesgericht der Globe Invest Prozess (FONDS professionell ONLINE berichtete). Der ehemalige Buchhalter Manfred Sch. und seine ebenfalls in der Buchhaltung tätige Frau Sabine legten ein Teilgeständnis ab, berichten die Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN). Sch. soll demnach unter anderem sein Gehalt von 2003 bis 2008 auf das Konto seiner Frau verbucht haben, um einer Pfändung zu entgehen.

Der Kurier berichtet, der Buchhalter habe die Schieflage von Globe Invest erkannt. Auch seien Anlegergelder unzulässig vermengt worden. Allerdings sei der Mann überfordert gewesen und habe von  Rechnungslegung und Bilanzierung "keine Ahnung", wird dessen Verteidiger Mario Schmieder zitiert.

Selbst der Chef versteht sein Firmengeflecht nicht
Drei Angeklagten bekannten sich nicht schuldig. Der Vorwurf der Anklage lautet Betrug, Untreue sowie betrügerische Krida. Den ersten Prozesstag musste Richterin Claudia Moravec-Loidolt unter anderem nutzen, um die verworrenen Gesellschaftsstrukturen der Globe Invest zu ergründen. Laut den Medienberichten konnte selbst der Hauptangeklagte Geschäftsführer Bernhard W. vor Gericht nur mithilfe seiner Notizen den Überblick bewahren. Der Fluss des Anlegergelds reichte von Irland über die Vereinigten Arabischen Emiraten bis Rumänien (Immobilienentwickler Globe Codlea).

Staatsanwalt Bernhard Löw sah "Kunstgriffe in der Buchhaltung". 2009 ging Globe Invest in Konkurs. 3.000 Anleger sollen laut dem Staatsanwalt durch ein Schneeballsystem geschädigt worden sein. Der Staatsanwalt verwies laut Medienberichten darauf, dass die Anleger zwar bei der Insolvenz teilweise Geld gesehen hätten, aber ein Schaden von rund 30 Millionen sei geblieben.

Ernst Schillhammer, Verteidiger des Hauptangeklagten, verwies darauf, dass sein Mandant über die Risiken aufgeklärt hatte. Bis Ende Jänner sind neun Verhandlungstage angesetzt. Dass es von der Pleite bis zum Prozess fast zehn Jahre dauerte, liegt den Berichten zufolge auch daran, dass im Jahr 2011 aufgrund von Befangenheit der Gutachter gewechselt werden musste. (eml)