Selbst die Finanzmarktaufsicht (FMA) scheint oft überrascht, mit welch kreativem Aufwand Anlagebetrüger ihre Opfer anlocken. In den vergangenen Wochen haben sich in Österreich Fälle gehäuft, in denen unseriöse oder betrügerische Finanzdienstleister mit dem "Konzessions-Schmäh" den Segen einer offiziellen Behörde vortäuschen um so die Anleger in Sicherheit zu wähnen: Dafür werden Identitäten kopiert von Unternehmen, die tatsächlich eine Registrierung der Finanzmarktaufsicht besitzen, es werden Aufsichtsbehörden erfunden oder es wird eine Datenbank eingerichtet mit "verblüffend echt wirkenden, aber gefälschten Registerdokumenten", auf die die Interessenten dann weitergeleitet werden, wie die FMA warnt.

So schützen Sie sich: FMA-Website und FMA-Sicherheits-App
Die Behörde mahnt nun, die Zulassungen besonders vertieft zu prüfen. Sie ruft dazu auf, auf jeden Fall die angegebenen Kontaktdaten mit jenen im behördlichen Register zu vergleichen. Weiters muss geprüft werden, ob es die angegebene Behörde tatsächlich gibt, und wenn ja ob sie tatsächlich zuständig ist – ein Punkt der gerade bei internationalen Anbietern oft einigen Rechercheaufwand braucht, weil es in vielen Ländern für verschiedene Kapitalmarktbelange verschiedene Zuständigkeiten gibt.

Bei Anbietern mit Bezug zu Österreich ruft die FMA dazu auf, immer zu kontrollieren, ob der Name in der Unternehmensdatenbank der FMA-Website gelistet ist und gezielt nachzusehen, ob auf der Homepage Investorenwarnungen zu dem Unternehmen veröffentlicht wurden. Insbesondere muss abgeglichen werden, welche Finanzgeschäfte diese Firma überhaupt erbringen darf, ein Listing bei der FMA allein ist kein Freischein für alle Belange. Über eine eigene Sicherheits-App der FMA kann die Prüfung auch mobil erledigt werden beziehungsweise werden Warnmeldungen dann sofort aufs Handy geliefert.

"Scheuen Sie sich nicht, die betreffende Aufsichtsbehörde auch direkt – und vom Anbieter und dessen Website unabhängig – zu kontaktieren. Schließen Sie niemals Finanzgeschäfte ab, wenn Sie der Anbieter unerbeten via Telefon, Fax oder Email kontaktiert hat; dieses "Cold Calling" ist in Österreich gesetzlich verboten und ein sicheres Alarmzeichen für betrügerische Absichten", heißt es bei der FMA.

Täuschend echte Fake-Aufsichts-Homepage
Die Investoren-Warnungen der vergangenen Monate zeigen, dass Vorsicht angebracht ist: Mit Aufsichts-Tricksereien landeten Portale wie "www.afbauer.com", "www.helmutkob.com", "www.holzmannfriedrich.com", genauso auf dem Pranger wie der unseriöse britische Anbieter "Gerber and Partners", der sich auf eine frei erfundene österreichische Aufsichtsbehörde "FINSA" beruft.

Die erstaunlich echt wirkende Hompage www.finsa-gov.org hat offenbar nicht nur das Logo und den Schrifttyp der österreichischen Ministerien gestohlen, sondern hält auch ein eigenes Unternehmensregister bereit, das eine Registrierung vortäuschen soll. Anleger erhalten von der FINSA dann gefälschte, der österreichischen Gewerbeberechtigung nachgebildete Urkunden zu den "registrierten" Unternehmen.

"Clone Firms" oder "Clone Individuals"
Unangenehme Erfahrung mit Identitäts-Tricksereien machte kürzlich auch der deutsche Top-Vermögensverwalter Acatis, als Bitcoinbetrüger den Firmennamen für ihre Zwecke missbrauchten. Die Verwendung von Klonen registrierter oder konzessionierter Unternehmen ist eine gängige Betrugsmethode, so die FMA. Auf diese Weise lässt sich besonders leicht das Vertrauen der potenziellen Opfer erschleichen.

Besonders gilt es für kleinere Anbieter, regelmäßig den Markt nach etwaigen zweifelhaften Homepages zu screenen. Sonst könnte ein Betrüger relativ lange unbemerkt in die eigene Tasche wirtschaften. Die FMA bringt das Beispiel eines österreichischen Versicherungsvermittlers gemäß Gewerbeordnung, der im Zuge der EWR-Dienstleistungsfreiheit Versicherungen auch in Großbritannien vertreiben will. Dazu benötigt er einen Eintrag seiner europaweit gültige Gewerbeberechtigung in die Register der dort zuständigen Aufsichtsbehörde FCA (Financial Conduct Authority). Ein Betrüger bastelt mit diesen öffentlichen Daten dann ein fiktives Unternehmen, "meist nur eine durchaus aufwendig gestaltete Website, und bietet aggressiv und unangefragt seine Dienste an", heißt es. Als vermeintlichen Beweis seiner Seriosität verweist er auf den FCA-Registereintrag. "In der Regel gehen diese betrügerischen Geschäfte dann auch über vermeintliche Versicherungsvermittlung hinaus und umfassen auch Bank- und Wertpapiergeschäfte", erklärt die Behörde. (eml)