Deutschland verlangt von Unicredit-Chef Andrea Orcel konkrete Zusagen, bevor es nach den Gesprächen in diesem Monat weitere Schritte in Richtung einer Übernahme der Commerzbank geben kann.

Nach einem Treffen von Finanzminister Lars Klingbeil mit Orcel hält die Bundesregierung eine Verständigung über das Geschäft für möglich, wie darüber informierte Kreise berichten. Berlin erwarte nun von der italienischen Bank Zusagen, die Börsennotierung der Commerzbank und ihren Standort Frankfurt zu erhalten sowie Arbeitsplätze zu sichern, meldet die Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Die Unicredit soll sich dem Vernehmen nach zudem verpflichten, das Geschäft der Commerzbank mit kleinen und mittelständischen Unternehmen auszubauen und ausreichend Kapital in Deutschland zu belassen, damit wichtige Entscheidungen weiterhin hierzulande getroffen werden können.

Erfüllt Orcel diese Zusagen, wären die wichtigsten Bedenken der Bundesregierung ausgeräumt. Verbleibende Fragen könnten dann gemeinsam mit den maßgeblichen Interessengruppen geklärt werden, um eine gemeinsame Strategie für die Zukunft der Bank zu entwickeln, wie zu hören war.

Unicredit nähert sich der Kontrolle
Die Unicredit steht davor, die Kontrolle über Deutschlands zweitgrößte Bank zu übernehmen. Die Italiener haben sich bereits einen Anteil von knapp 50 Prozent an der Commerzbank gesichert und haben damit bei Hauptversammlungen eine Stimmenmehrheit nahezu sicher.

Orcel hat erklärt, die Übernahme der Kontrolle solle erfolgen, sobald alle erforderlichen regulatorischen Genehmigungen vorliegen. Die Unicredit rechnet damit, dass dies noch vor Jahresende der Fall sein könnte.

Diese Zusagen verlangt Berlin:

  • Die Präsenz der Commerzbank in Deutschland bleibt erhalten.
  • Die Rechte der Beschäftigten werden geschützt.
  • Die Commerzbank bleibt ein börsennotiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt.
  • Das Geschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen wird ausgebaut.
  • Die Commerzbank verfügt weiterhin über die notwendigen Kapitalressourcen und behält die Möglichkeit, wichtige Entscheidungen in Deutschland zu treffen.

Orcel könnte Führung austauschen
Orcel hat erklärt, er könnte die voraussichtliche Stimmenmehrheit der Unicredit auf einer Commerzbank-Hauptversammlung dazu nutzen, "alle Vertreter der Anteilseigner" im Aufsichtsrat auszutauschen. Dazu würde auch der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Weidmann gehören.

Orcel erklärte außerdem, dies würde ihm ermöglichen, das Topmanagement der Commerzbank einschließlich Vorstandschefin Bettina Orlopp auszutauschen. Dadurch könne er seinen Plan für das Institut leichter umsetzen.

Streit über die künftige Strategie
Die beiden Vorstandschefs sind bei der Strategie wiederholt aneinandergeraten. Orcel will die internationale Präsenz der Commerzbank deutlich zurückfahren, sobald er die Kontrolle übernommen hat. Orlopp hat dagegen erklärt, dieser Plan würde dem Geschäftsmodell schweren Schaden zufügen.

Die Commerzbank wird derzeit mit mehr als 45 Milliarden Euro bewertet. Eine Übernahme wäre damit voraussichtlich der weltweit größte Bankendeal seit fast zwei Jahrzehnten. (mb/Bloomberg)