Seit Januar 2008 berät Frank Fischer den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen – und das über weite Strecken mit großem Erfolg. Über mehr als zehn Jahre zog kletterte der Wert des Fonds wie an einer Schnur gezogen stetig nach oben. 2018 kam es jedoch zu einem großen Einbruch, der sich bis ins darauffolgende Jahr fortsetzte.

Auf dem Mannheimer FONDS professionell KONGRESS 2020 zeigte sich der Vorstandsvorsitzende von Shareholder Value Management, die als Advisor unter dem Dach von NFS Netfonds mehrere Fonds berät, optimistisch. Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen sei wieder "voll in der Spur", sagte Fischer. Warum der Value Investor trotz der Corona-Krise, die abermals Verluste bescherte, weiterhin guter Dinge ist, erklärt er in einem Telefon-Interview mit FONDS professionell ONLINE.


Herr Fischer, Anleger dürfen aufatmen. Die Bundesregierung will die Shutdown-Maßnahmen zumindest teilweise lockern, an den Börsen haben sich die Kurse von ihren Tiefständen erholt. Dennoch ist die Viruskrise noch nicht ausgestanden. Auch der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen hat unter den Börseneinbrüchen durch Corona stark gelitten. Hat die Krise Sie überraschend getroffen?

Frank Fischer: Nein, wir haben die Entwicklung des Coronavirus in China von Anfang an beobachtet, uns war relativ früh klar, dass da etwas auf uns zukommen wird. Als die Fallzahlen in China immer weiter zunahmen, haben wir die Absicherung im Fonds hochgefahren. Wir hätten uns allerdings noch stärker absichern müssen, aber es war nicht abzusehen, wie stark die Corona-Welle über China hinaus schwappen würde. Hinzu kommt, dass die ersten Korrekturen an den Märkten so massiv waren, dass wir davon ausgegangen sind, der Einbruch, die Kapitulation der Anleger, sei schon abgeschlossen. Daraufhin haben wir unsere Aktienquoten ausgeweitet, was im Nachhinein betrachtet etwas zu früh war. Der Dax hat rund 40 Prozent verloren, etwa die Hälfte des Weges sind wir mitgegangen. Das tut natürlich weh. In der aktuellen Erholungsphase sind wir jetzt wieder mit dabei, bleiben aber vorsichtig.

Als Value Investor sind Ihnen Krisen nicht unbekannt. Sie nutzen solche Phasen, um Aktien von Unternehmen mit langfristig attraktiven Geschäftsmodellen zu günstigen Preisen zu erwerben. Ist die Corona-Krise anders als alle anderen Krisen zuvor?

Fischer: Ja, es war geradezu so, als würden sich zwei Schwarze Schwäne paaren. Wir hatten neben dem Coronavirus schließlich auch den Ölpreisverfall. Dieser hat zu einer Verwerfung bei High-Yield-Anleihen von Unternehmen im Energiesektor geführt. Die Credit Default Swaps und die Risikospreads zwischen den Energie- und sicheren Staatsanleihen sind explodiert. Das hat bei Investoren, die sie halten, zu extrem hohen Ausfällen geführt. Hierzu gehören wir mit unseren Mandaten glücklicherweise nicht. Dazu kam dann das Coronavirus, das zu Recht die Angst vor stark rezessiven Tendenzen in den Markt getragen hat. Die wurde so schnell eingepreist, wie ich es noch nie gesehen habe. Das war eine Situation, in der echte Panik aufkam. Für Value-Investoren bedeutet das natürlich, dass Sommer- und Winterschlussverkauf auf einen Termin fallen und wir extreme Sonderangebote haben.

Wo haben Sie sich denn inzwischen schon wieder zugekauft?

Fischer: Wir haben bereits Mitte März von unserem Mister-Market-Cockpit, mit dem wir die Kapitulation im Markt messen, Signale bekommen, dass es sinnvoll ist, sich in Europa und in den USA wieder zu engagieren. Diese Signale haben wir dann intern nochmals bewertet und kritisch hinterfragt. In der Folge haben wir seitdem zum Teil zu günstigen Kursen verschiedene Positionen im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und anderen Portfolios aufgestockt oder neue Titel hinzugenommen. Alphabet ist für uns sehr interessant. Auch die Facebook-Aktie konnten wir günstig nachkaufen. Nicht zu vergessen ist natürlich Amazon. Das Unternehmen wird zu den großen Gewinnern der Krise gehören. Wir werden aber nicht nur bei den hochliquiden Titeln fündig. Auch in der zweiten Reihe gibt es einige Firmen, die unserer Meinung nach zu Unrecht unter die Räder gekommen sind.

Welche zum Beispiel?

Fischer: Ein Beispiel ist die Aktie von Verisign, einem Unternehmen, das weltweit alle Dotcom-Domains verwaltet und vergibt. Auch Aktien von Secunet haben wir zugekauft. Dabei handelt es sich um einen Nebenwert mit eingeschränkter Liquidität, aber die Branche der Cybersecurity ist sehr interessant. Und der Umsatz von Secunet wächst mit durchschnittlich 23 Prozent pro Jahr weit mehr als die Branche.

Und wie sieht es mit gefallenen Engeln aus? Gerade in der Touristikbranche dürften sich ja Chancen bieten.

Fischer: Wir bleiben lieber defensiv aufgestellt. Natürlich könnte man auch mit Aktien wie die der Lufthansa, den Titeln von Ryanair, TUI oder Expedia mittelfristig zu den großen Gewinnern gehören. Aber davon lassen wir bis auf Weiteres die Finger. Hier winken vielleicht hohe Gewinne, aber gleichzeitig ist das Risiko sehr hoch. Wir investieren lieber in eigentümergeführte Unternehmen mit strukturellem Wettbewerbsvorteilen und goldgeränderter Bilanz.

Wie haben Ihre Anleger auf die Einbrüche reagiert?

Fischer: Die Reaktionen haben sich sehr im Rahmen gehalten. Das liegt sicher auch daran, dass wir natürlich mit unseren Anlegern sprechen, sie transparent informieren und ihnen erklären, warum wir was tun. So hatten wir zum Beispiel zu Beginn der ersten Woche des Shutdowns tatsächlich einen Zufluss in Höhe von 15 Millionen Euro. Das ist natürlich sehr erfreulich. 

Mit welchen Erwartungen blicken Sie in die Zukunft? 

Fischer: Ich bin ganz optimistisch. Natürlich hat das Coronavirus innerhalb von zwei Quartalen zu Verwerfungen geführt, die dramatisch sind. Aber die Themen, die uns wirtschaftlich beschäftigen, sind sehr gut angegangen worden. Die Reaktionen der Politik und der Notenbanken sind blitzschnell erfolgt. Das war wie ein "Whatever it takes" in allen Bereichen, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu sichern, und Liquidität zur Verfügung zu stellen. Man sieht ja, dass in den USA, in Europa und auch in Deutschland die Staatshaushalte extrem ausgeweitet werden. Zudem pumpen die Notenbanken enorm viel Liquidität in die Märkte.

Viele Anleger befürchten eine zweite Infektionswelle, also einen erneut starken Anstieg der Krankheitsfälle. Wie sehen Sie das?

Fischer: Was die Krankheitsfälle angeht, so kann man in China, Südkorea, Taiwan, Japan oder Singapur, überall da, wo das Coronavirus früher ausgebrochen und die Entwicklung schon weiter ist, sehen, dass es bereits eine zweite Welle gibt. Aber die Fallzahlen sind verschwindend gering. In China sind inzwischen knapp 90 Prozent der wirtschaftlichen Aktivitäten wieder aufgenommen worden. Das ist ein gutes Zeichen, denn das bedeutet, dass eine tiefe Rezession über das zweite Quartal hinaus auch in Deutschland sehr unwahrscheinlich ist. Außerdem gibt es weltweit über 80 Initiativen, die an einem Impfstoff und an Medikamenten forschen. Das lässt hoffen, dass wir das Virus abschließend in Griff bekommen.

Dann gehen Sie also auch nicht von einer zweiten Crash-Welle an den Aktienmärkten aus?

Fischer: Ich habe keine Glaskugel und kann nur sagen: Die große Kapitulation war bereits im Markt, jetzt sieht es konstruktiver aus, denn die sprichwörtliche Notenbank-Kavallerie ist da, was man an der Liquidität sieht. Zudem finden die Menschen und Unternehmen, die sonst finanziell bedroht wären, durch die Fiskal-Hilfspakete der Regierungen die Unterstützung, die sie verdienen, das gilt selbst in den USA. Daher denke ich nicht unbedingt, dass es an den Märkten noch einmal unter die bisherigen Tiefstkurse geht. Ein weiterer Anlauf nach unten ist aber drin. Ich glaube allerdings, dass wir auf einem guten Weg sind und vor allem viele der Risiken in den aktuellen Kursen eingepreist sind. Ich würde auf jeden Fall sagen, dass für langfristige Aktienanleger die Chancen jetzt deutlich überwiegen.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)